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Chile – Santiago und der Norden

November / December 2014

Nachdem ich einen Teil des verregneten Schweizer Sommers in Portugal, Marokko und am Comersee verbrachte, reiste ich Anfang November nach Chile. Nach ein paar Tagen in der Hauptstadt Santiago de Chile wollte ich den Norden des Landes entdecken.

Santiago de Chile

Santiago de Chile wurde immer wieder von Erdbeben zerstört und hat darum kaum Sehenswürdigkeiten zu bieten. Immerhin kann man auf ein paar Hügel steigen und eine weite Aussicht über die Stadt geniessen.

Cerro Santa Lucia

Sicht vom Parque Metropolitano

Das moderne Providencia Quartier

Museum für prä-kolumbianische Kunst

Sehenswert ist auch das Museum für prä-kolumbianische Kunst, das südamerikanische Ausstellungsstücke zeigt, die vor der Kolonisierung durch die Europäer entstanden sind. Vor allem die Inka- und Maya-Kulturen sind prominent vertreten. Einige Ausstellungsstücke sind überraschend kreativ.

Als politisches und wirtschaftliches Zentrum ist Santiago auch kulinarisch die Nummer eins im Lande. Ein paar Restaurants bieten Gourmet-Erlebnisse auf höchstem Niveau an. Einige Wine-Bars bieten über Hundert verschiedene Weine des Landes an und es ist möglich, im Rahmen von Probiersets verschiedene Weine direkt zu vergleichen.

Ein Tagesausflug führte mich zum Weingut Concha y Torre, das 1883 gegründet wurde. Unterdessen ist aus bescheidenen Anfängen der grösste Weinproduzent Südamerikas entstanden. Der Konzern bietet Weine aus den unterschiedlichsten Anbaugebieten unter unzähligen Marken an.

Chile ist bei weitem der grösste Produzent von Weinen aus der Traubensorte Carmenere, die ursprünglich aus dem Bordeaux-Gebiet stammt. Mitte des 19. Jahrhunderts führte die Reblauskatastrophe zum Verschwinden dieser Traubensorte in Europa. In Chile hielt man die Traubenstöcke für Merlot. Erst ein französischer Önologe identifizierte 1994 Carmenere in Chile. 1996 wurde der erste reinsortige Chilenische Carmenere-Wein angeboten.

Antofagasta

Anschliessend flog ich 1‘100 km Richtung Norden nach Antofagasta. Das Magazin der Fluggesellschaft macht sofort klar, wovon Chile lebt, denn es ist voll von Inseraten für schwere Ausrüstung, die in den Minen benutzt wird.

Antofagasta ist eine heruntergekommene Stadt, die hauptsächlich von den umliegenden Minen lebt. Man glaubt kaum, dass diese Stadt das grösste Bruttosozialprodukt pro Kopf in Chile hat. Immerhin fand ich das hervorragende Restaurant Amares, das es in die Top-Liga Chile’s geschafft hat.

San Pedro de Atacama

Am nächsten Morgen reiste ich zu meinem eigentlichen Ziel, dem Oasenort San Pedro de Atacama mitten in der Atacama-Wüste. Er ist das Touristenzentrum im Norden Chile’s. Entsprechend gibt es viele Unterkünfte und Restaurants in jeder Qualitätsstufe. Trotzdem hat der Ort seine Oasen-Atmosphäre bewahren können, denn die neuen Gebäude wurden im historischen Stil gebaut. Von San Pedro aus lassen sich unzählige Tagesausflüge unternehmen. Mir gefiel es sehr, so dass ich gleich zwei Wochen blieb.

Valle de la Luna

Im Hintergrund der Vulkan Vulkan Licancabur

Der Aussichtspunkt Mirador Cordillera de la sal

Von San Pedro de Atacama unternahm ich eine 3-Tagestour an den Salar de Uyuni in Bolivien, dem grössten Salzsee der Erde. Diesen Reisebericht findet Du hier.

Zurück in San Pedro de Atacama unternahm ich weitere Ausflüge, teils mit dem Mountain Bike, teils auch zu Fuss oder mit einer Tour.

Laguna Miscanti

Eine Tour führte mich zur Laguna Miscanti.

Laguna Cejar

Die Laguna Cejar erreichte ich mit dem Mountain Bike

Valle del Arcoiris

Auf einer weiteren Tour besuchte ich das Valle del Arcoiris (Regenbogen-Tal)

Schon in der Frühzeit gab es gefährliche Hunde

Salar de Tara

Beim Salar de Tara

Vulkan Lascar

Ein Höhepunkt war die Besteigung des 5‘641 Meter hohen, aktiven Vulkans Lascar. Eine atemberaubende Aussicht auf andere Vulkane, Salzseen und die weite Ebene belohnte einem dafür, dass man am frühen Morgen die eisigen Winde ausgehalten hatte.

Nach Sonnenaufgang am Lago Leija

Am Kraterrand des Vulkans Lascar

Aussicht vom Gipfel des Vulkans Lascar (5’641 m)

Auf dem Abstieg

Kupfermine Chuquicamata, Calama

Die nächste Station war die nahe Minenstadt Calama, wo ich die weltgrösste offene Kupfermine Chuquicamata besichtigte. Diese Mine alleine bestreitet 10% der Chilenischen Kupferexporte. Das Loch ist 4.3 km lang, 3 km breit und 900 m tief. Obwohl total bereits 29 Millionen Tonnen Kupfer gefördert wurden, ein Weltrekord, beherbergt sie weiterhin eines der grössten Kupfervorkommen weltweit. Täglich werden 60‘000 Tonnen Gestein, das 1% Kupfer enthält, mit Lastwagen zur weiteren Verarbeitung aus der Mine geholt. Diese Ungetüme von Lastwagen, die unten in der Mine wie Spielzeugautos aussehen, verbrauchen 3 Liter Brennstoff pro Minute. Der Brennstofftank fasst 5‘000 Liter. Ein einziger Reifen kosten 40‘000 Dollar und hält nur 8 Monate.

Iquique

Von Calama fuhr ich sechs Stunden durch eine beeindruckende Wüstenlandschaft zur Küstenstadt Iquique. Iquique hat mir auf Anhieb gefallen. Meiner Meinung nach ist es die schönste Stadt Chile‘s. Angekommen zog ich sofort die Jogging-Schuhe an, um am Strand entlang rennend den Sonnenuntergang zu geniessen. Iquique scheint eine fitnessbewusste Bevölkerung zu haben, denn in der Nähe meines Hotels befanden sich gleich zwei Fitness-Studios. Auch kulinarisch überzeugte das Angebot, vor allem natürlich die Fischgerichte.

Der Strand von Iquique

Humberstone und Santa Laura

Sehr interessant war ein Ausflug zu den verlassenen Salpeter-Städten Humberstone und Santa Laura, die als UNESCO Weltkulturerben gelten. Ab 1872 wurde in dieser Gegend Salpeter abgebaut und aufbereitet, der für die Düngemittel- und Schiesspulverproduktion eingesetzt wurde. Während der Depression von 1929 wurden die Städte aufgegeben, da einerseits die Nachfrage stark zurück ging, andererseits Deutsche Chemiker einen Prozess gefunden hatten, um Ammoniak viel billiger industriell herzustellen. Durch die schnelle Räumung der Städte sind alle Gebäude und die industriellen Anlagen, wenn auch verrostet, erhalten geblieben.

Geoglifos de Pintado

Am gleichen Tag besuchte ich die „Geoglifos de Pintado“, die über 400 Felszeichnungen aus prä-kolumbianischer Zeit umfassen.

Geoglifos de Pintados – Jahrhunderte alte Felszeichnungen

Eigentlich wollte ich via die Anden, die sich im Grenzbereich zwischen Chile und Argentinien auf über 6‘000 Meter auftürmen, weiter via die Nationalpärke Volcán Isluga und Lauca Richtung Norden reisen. Diese Reise ist nur in einer Gruppe möglich, da man einen 4WD-Jeep und einen ausgewiesenen Führer benötigt. Es gibt in dieser Gegend kaum Verkehr, keine Tankstellen und ganz wenige Hütten, die aber nicht immer besetzt sind. In Iquique habe ich kaum andere Touristen getroffen, sodass es unmöglich war, meine Reise auf dieser Route fortzusetzen.

Lauca Nationalpark

Daher fuhr ich weiter der Küste entlang zur nördlichsten Stadt Chile’s, nach Arica. Arica ist eine Hafenstadt, deren Einzugsgebiet neben Chile einen grossen Teil Bolivien’s umfasst. Eine Strasse über die Anden verbindet Arica mit der Hauptstadt Bolivien’s, La Paz. Für den Reisenden ist Arica der Ausgangspunkt für den Besuch des Lauca Nationalparks, der dominiert wird vom 6‘348 Meter hohen Parinacota Vulkan. Auch in Arica fand ich kaum andere Touristen, sodass ich mich alleine zum Lauca-Nationalpark aufmachte. Das Dorf Putre auf 3‘500 Meter befindet sich am Rande des Nationalparks und ist daher ein idealer Ausgangspunkt. In Putre erfuhr ich, dass es im Lauca-Nationalpark ein kleines Dörfchen namens Parinacota auf 4‘400 Meter gibt – das höchstgelegene in Chile -, wo man übernachten konnte. Sogar Internet soll es dort geben. Ich entschied, ein paar Nächte dort zu bleiben und abends am Computer am Reisebericht zu schreiben und die Börsengeschäfte für meine Kunden und mich zu tätigen. Mit der Höhe hatte ich keine Probleme, aber meinem Computer setzte die dünne Luft zu. Schon bald nach dem Starten des Computers erschienen die ersten Fehlermeldungen, dass bei meiner Festplatte ein Defekt aufgetreten sei und ich umgehend alles sichern und den Computer nicht mehr weiter verwenden sollte. Nach der Google-Suche „Harddisk Problem Altitude“ wurde mir bewusst, dass Festplatten nur für den Einsatz bis zu einer Höhe von 3‘000 Meter gebaut sind, da das Luftpolster, das die Lese-/Schreibköpfe von der rotierenden Scheibe trennt, sonst wegen der dünnen Luft zu klein wird und die Festplatte dauernden Schaden nehmen kann. Nachdem ich die Börsentransaktionen durchgeführt hatte, arbeitete ich nicht mehr weiter am Computer, in der Hoffnung, dass die Festplatte in tieferen Höhen wieder einwandfrei funktioniert. Wie sich später herausstellte, läuft der Computer zwar noch, die Fehlermeldungen machen aber weiterhin darauf aufmerksam, dass die Festplatte schnellstmöglichst ausgewechselt werden sollte. Zurück in Santiago wollte ich eine neue Festplatte kaufen. Leider ist in Chile das seltene 1.8 inch-Format nicht erhältlich, sodass ich Ende Dezember in Panama versuchen werde, die Festplatte zu ersetzen. Auf dieser Reise habe ich das erste Mal eine externe Festplatte dabei, so dass ich neben der Abspeicherung auf der Cloud meine Daten auf eine weitere Art laufend absichern kann.

Abgesehen von den Computer-Problemen war der Lauca-Nationalpark ein sehr eindrucksvolles Erlebnis. Eine Wanderung führte mich an den weitverzweigten See „Laguna de Cotacotani“. Die beiden Vulkanen „Parinacota“ und „Pomerape“, beide über 6‘000 Metern, bildeten im Hintergrund ein ideales Fotosujet. Den zweiten Tag verbrachte ich mit einem Biologen, der die Fauna in dieser Höhe dokumentierte. Am letzten Tag im Nationalpark bestieg ich den 5‘100 Meter hohen Cerro Guane Guane, von dem ich eine tolle Aussicht über die Vulkane und Seen des Nationalparks genoss. Ein überwältigendes Erlebnis!

Die Kirche von Piranacota, dem höchsten Dorf Chile’s (4‘400 m)

Lauca Nationalpark mit den Vulkanen Piranacota (rechts, 6‘348 m) und Pomerape (links, 6‘282 m)

Aussicht vom 5‘096 m hohen Berg Guane Guane

Ein Alpaca

Darauf flog ich zurück in die Hauptstadt Santiago de Chile. Dieses Mal schätzte ich Santiago mehr als bei meinem ersten Besuch. Endlich war es wieder warm, grün, die Menschen waren gut angezogen und ich konnte aus einer grossen Anzahl guten Restaurants auswählen.

Am letzten Tag in Chile besuchte ich die Hafen- und Künstlerstadt Valparaiso, die ungefähr 110 km von Santiago entfernt liegt. Von den Cafe’s auf den umliegenden Hügeln genoss man eine weite Aussicht über die Stadt und das Meer. Viele Häuser sind mit künstlerischem Flair in den verschiedensten Farben bemalt, so dass die Stadt einen lebensfrohen Eindruck hinterlässt.

Mit hat es in Chile sehr gut gefallen. Die Chilenen sind freundliche Leute. Auch als Autofahrer sind sie sehr zuvorkommend und halten sofort, wenn ein Fussgänger die Strasse überqueren will. Überrascht war ich von den riesigen Ausmassen der Wüstengebiete im Norden Chile’s, die sich über mehrere Hundert Kilometer erstrecken und teilweise so trocken sind, dass dort keine Vegetation existieren kann.

Als nächstes reiste ich mit einem Schweizer Kollegen nach Mendoza, Argentinien.