Menu Close

Philippinen – Taifun Yolanda

November 2013

Meine Reise begann stürmisch. Am 8. November 2013 fegte der Taifun Yolanda über die Philippinen. Es war  einer der gewaltigsten tropischen Wirbelstürme, die je beobachtet wurden. Alleine auf den Philippinen kamen 6’300 Menschen um.

Und ich war mittendrin. Das Auge des Sturmes zog mit bis zu 335 km/h über mein Hotel hinweg.

Die Sturmwarnung im Internet. Am 8. November 2013 um 14:00 zog der Taifun mit 280 – 335 km/h über Roxas auf Insel Panay hinweg.

Obwohl die Fensterscheiben des Hotelzimmers zitterten, in der Decke ein Riss immer grösser wurde und Wasser kübelweise über die Lampenöffnung in der Decke in das Hotelzimmer floss, bin ich glimpflich davon gekommen. Ganz anders sah es ausserhalb des Hotels aus. Familien mit einfachen Hütten mussten zusehen, wie das Dach oder gleich das ganze Haus fortgeblasen wurde. Als Folge war das ganze Hab und Gut durchnässt. Die elektronischen Geräte wie Fernseher waren oft unbrauchbar. Viele Häuser wurden auch durch umgestürzte Bäume beschädigt. Die meisten Einheimischen haben sich überhaupt nicht auf den Taifun vorbereitet. Obwohl die Leute über den Sturm informiert wurden, haben ihn die meisten völlig unterschätzt. Entsprechend waren die Schäden auch viel höher, als sie sein könnten. Trotzdem war angesichts des Elendes klar, dass ich vor Ort half, wo ich konnte.

Die westlichen Medien berichteten ausgiebig über die Katastrophe. Die schlimmen Bilder bewogen viele Leute und Organisationen zum Spenden. Die Hilfsgelder waren gut gemeint. Wenn aber viel Geld in ein so korruptes Land wie die Philippinen fliesst, sind Auswüchse vorprogrammiert.

Ich konnte sehen, wie die professionellen Hilfsorganisationen funktionieren. Sie wohnten im teuersten Hotel des Orts und fuhren mit ihren grossen Off-Roadern mit den getönten Scheiben in der Gegend herum. Die Organisation „Vier Pfoten“ verteilte Tierfutter an die perplexen, hungernden Dörfler. Den Tieren muss doch auch geholfen werden. Eine andere verteilte Medikamente, die schlussendlich in den Apotheken landeten, wo die Leute die Medikamente kaufen mussten. Die globale Hilfsindustrie zieht von Katastrophe von Katastrophe und ist kaum mit den lokalen Verhältnissen vertraut. Zudem werden medienwirksame Aktionen gegenüber unsichtbaren wie der Beratung bevorzugt.

Pakete an Pakete wurden beim Haus des Bürgermeisters abgeladen und in der Garage eingelagert. Diese Hilfsgüter werden bestimmt nicht ausgeliefert. Die zur nächsten Wahl stehenden Politiker verteilten vor laufender Kamera Geld und Reis. Eigene Verwandte erhielten Höchstbeträge, auch ohne grössere Schäden. Andere Leute gingen trotz grossen Schäden leer aus. Teilweise wurden teure, westliche Hilfsgüter durch minderwertige lokale Waren ersetzt und die teuren Güter für gutes Geld verkauft.

Von Tacloban, der Stadt, die am meisten betroffen war, ist bekannt, dass die Hilfsgüter trotz extremer Not zuerst mit dem Kleber des Bürgermeisters versehen wurden, bevor sie ausgeliefert wurden. So kamen die Leute erst ein paar Tage später zu ihrer Nothilfe, aber die Wiederwahl des Bürgermeisters war gesichert.

Tacloban wird übrigens ungefähr alle hundert Jahre von einer Katastrophe heimgesucht. Die Stadt liegt am Ende eines natürlichen Trichters, so dass grosse Flutwellen die Stadt zwangsläufig überfluten. Zwei ähnliche Flutwellen sind historisch verbürgt. Es ist nicht einfach Schicksal, wenn die Stadt später wieder zerstört wird und wiederum Zehntausende umkommen.

Auch Westler profitierten vom Taifun. Letztes Jahr bin ich mit einem Amerikaner durch die philippinische Inselwelt gesegelt. Er war knapp bei Kasse und seine Frau schwanger. Meine Zahlung für den Segeltörn war sehr willkommen. Später habe ich gehört, dass die Familie in ein kleines Haus ein wenig abseits ziehen musste, da sie sich den zentralen Laden nicht mehr leisten konnte. Wenige Tage nach dem Taifun erhielt ich vom Amerikaner eine Email, in dem er die Not um ihn herum beschrieb und um Hilfe bat. Man solle das Geld auf sein privates Konto einzahlen. Als ich diesen März vorbei kam, hatte er ein neues Boot, ein neues, schöneres Haus und einen grösseren Laden an zentraler Lage. Hier ist wenigstens klar, wohin die gut gemeinten Hilfsgelder geflossen sind. 😉

Viele Reiseziele auf den Philippinen waren indirekt vom Taifun betroffen, da die meist zerstörte Insel Leyte weitere Inseln mit Strom versorgt. Einige Ort mussten über zwei Monate ohne Strom auskommen. Unter diesen Umständen wollte ich nicht im Land herumreisen. Da kam ein Promo-Angebot der Fluggesellschaft AirAsia nach Nepal gerade richtig. Ein paar Tage später landete ich in Kathmandu.