Thailand – Bangkok und der Süden

Januar bis März 2018

Ich war das letzte Mal vor fünf Jahren in Thailand und jene Reise war eher eine kleine Fortsetzung meiner Malaysien-Reise. Für mich war Thailand der Inbegriff des Massentourismus und die Thais von diesem Tourismus verdorben. Kollegen meinten, es gebe durchaus noch schöne, wenig entdeckte Ecken und für einige ist es sogar das Lieblingsland. Um mir ein eigenes Urteil zu bilden, besuchte ich das Land nun ein weiteres Mal.

Ich verbrachte die ersten paar Tage in Bangkok, wo ich einen medizinischen Check-up absolvierte und die Augen und Zähne kontrollieren liess. In Bangkok gibt es Spitäler auf internationalem Niveau zu weniger als die Hälfte der Kosten, die ich in der Schweiz bezahlen würde. Die Stadt bietet auch tolle Bars auf Hochhäusern mit fantastischen Aussichten, gute Restaurants und ist ein Shopping-Paradies.

Im Bangkoker Büro der iranischen Airline Mahan kaufte ich das Flugticket von Dubai nach Tehran, das ich wegen den internationalen Finanzsanktionen gegenüber Iran nicht online mit der Kreditkarte kaufen konnte.

Neben der Hochbahn Skytrain benutzte ich oft öffentliche Boote, um schnell von einem Ort zum anderen zu gelangen.

Ich besuchte Bangkok das erste Mal 1986 und besichtigte dazumal und während den folgenden Besuchen in den 80er Jahren die vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Nach so langer Zeit wollte ich diese Orte wieder aufsuchen.

Der Wat (Wat bedeutet Tempel) Saket ist ein buddhistischer goldener Tempel mit einer Buddha-Reliquie auf einem künstlichen Hügel mitten in der Stadt. Auf dem Aufstieg zum Tempel passiert man dieses Modell des Tempels …

… und diese Statue. Es gibt sogar einen Trockeneisventilator, um eine mystische Stimmung zu erzeugen.

Vor dem Beten müssen die Schuhe ausgezogen werden.

Der Tempel Wat Pho ist berühmt für die 46 Meter lange Statue eines liegenden Buddhas.

Er ist mit 80’000 Quadratmetern einer der grössten und ältesten Tempelbezirke in Bangkok und beinhaltet mehr als 1’000 Buddha-Statuen und -Bilder.

Der Bangkok city pillar shrine

Der Tempel Wat Phra Kaew, für Touristen auch „Temple of the Emerald Buddha“ genannt, ist der grossartigste und heiligste aller Thailändischen Tempel. In diesem Tempel wird der aus grüner Jade und Jasper bestehende „Emerald Buddha“ ausgestellt. Der Buddha hat enorme religiöse Bedeutung und ist über 2’000 Jahre alt. Er stammt ursprünglich aus Indien. Über Sri Lanka und Kambodscha (Angkor Wat) kam er 1432 in den Besitz Thailands. Leider war es nicht erlaubt, die Buddha-Statue zu fotografieren.

Die Tempelanlage von aussen

Da dieser Tempel auf jedem Tour-Programm steht, fand ich hier den Massentourismus.

Aber sobald die Kamera nach oben gerichtet wird, sind Fotos ohne Leute möglich.

Unweit des Tempels Wat Phra Kaew befindet sich der Königspalast „Grand Palace“

Private können ihren Buddha in einem Buddha-Geschäft kaufen.

Als nächstes Reiseziel wählte ich Ko Tao aus, da die Insel bei Tauchern und Schnorchlern bekannt ist. Sie liegt auf der Ostseite Thailands im Golf von Thailand. Im Bahnhof in Bangkok konnte ich praktischerweise ein sogenanntes „Joint“ Ticket kaufen, das den Zug nach Chumphon, die Fahrt an den Hafen und die Schiffsreise nach Ko Tao enthielt. Wer Ko Tao googelt, wird sofort auf die mysteriösen nächtlichen Todesfälle von jungen Touristen (grösstenteils attraktive Frauen) auf der Insel aufmerksam, die die Polizei meist als Selbstmorde klassifizierte. Ich entschied mich, diese Insel trotzdem zu besuchen, da es nicht meine Altersklasse betraf und ich dem Nachtleben ohnehin fern bleibe. Auf der Insel angekommen, scheinen die Morde bei den meisten Touristen kein Thema zu sein, denn die Insel brummte und wurde weiterhin von vielen jungen Leuten besucht.

Auf einem Weg entlang der Insel kam ich an verschiedenen, teils abgeschiedenen Resorts vorbei.

Jedes Haus inklusive den Resorts besitzt kleine Häuser für die Schutz- oder Störgeister, denen mit dem Opfern von Lebensmitteln der notwendige Respekt entgegengebracht wird.

Der schönste Aussichtspunkt der Insel ist der John Suwan View Point. Er erlaubt den Blick auf zwei Buchten, links auf die Chalok Bucht und rechts auf die Thian Og Bucht.

Es waren einmal drei kleine Inseln, die durch Sandbänke miteinander verbunden waren. Dieser Ort war extrem schön und weltweit einmalig. Deswegen wollten immer mehr Leute dieses Paradies mit dem Namen Ko Nang Yuan besuchen und schon bald wurden Touren dorthin angeboten und eine Eintrittsgebühr erhoben.

Und bald darauf war dieser Ort verschandelt.

Als Teil der ganztägigen Schnorcheltour besuchte ich diese kleine Inselgruppe. Sonst hätte ich mir das nicht angetan. Auf der Tour sah ich ein paar Fische. Ich hatte mehr erwartet.

Das Plakat macht auf eine lustige Art darauf aufmerksam, dass Speerfischen in Ko Tao nicht erlaubt ist.

Ich bin unter den Touristen einer der wenigen ohne Tattoos. Dieses Bed & Ink-Guesthouse wirbt mit einem Gratis-Tattoo anstelle des üblichen Frühstücks.

Auf Ko Phayam traf ich meinen Kollegen, der mich während seiner dreiwöchigen Ferien besuchen kam. Ko Phayam liegt vor der Westküste Thailands. Sie ist eine der Lieblingsinseln meines Kollegen, da die Massen diese Insel noch nicht entdeckt haben. Der White Sand Beach ist lang, breit und fast leer. Da er gegen Westen ausgerichtet ist, lassen sich jeden Abend  Sonnenuntergänge bewundern. Der einzige Nachteil waren die teils hohen Wellen in der Nähe des Strandes. Sobald man diese überwunden hatte, war das Schwimmen wieder möglich. Die wenigen Resorts waren sogar im März ausgebucht. Deswegen überlegen sich einige Resortbesitzer, in der Tiefsaison weitere Bungalows zu bauen. So wird auch dieser Ort immer touristischer.

Während unserem Aufenthalt wurde eine Halbmond-Party organisisert. Sie fand in kleinem Rahmen statt und war überhaupt nicht vergleichbar mit der berühmten Vollmond-Party auf Koh Phangan, an der zwischen 10’000-30’000 Leute teilnehmen.

Auf jeder langen Reise ereignen sich unliebsame Zwischenfälle. Auf Ko Phayam wurde meine Brille das Opfer einer ungewöhnlich hohen Welle, die sich zudem über mir überschlug. Die Rezeptionistin meinte, dass ich nicht der erste Gast mit diesem Missgeschick sei und dass auch ihre Brille schon im Meer verschwand. Zum Glück war ich in Thailand, wo Brillen bedeutend billiger sind als in der Schweiz. Der Kauf einer Brille war nun eine zusätzliche Aufgabe.

Auf der Insel gab es eine grosse Auswahl an Unterkünften. Hier ein idyllisches einfaches Bungalow.

Nachdem wir genug vom Strandleben hatten, reisten wir zum Kao Sok National Park, der einen alten Urwald beheimatet, aber auch einen grossen Stausee und einige Höhlen umfasst. Wir unternahmen eine Tageswanderung in diesen Wald, wo wir eindrücklichen Bäumen und Affen begegneten.

Der Höhepunkt war aber der Besuch des Stausees Cheow Lan, der von hohen Karstfelsen umgeben ist. Mit diesen Booten fuhren wir zu unseren schwimmenden Bungalows, …

… die links zu sehen sind.

Ein Ausflug führte uns zur Höhle Nam Talu. Wir durchquerten diese Höhle von einem Eingang zum anderen. Teils wateten wir durch Bäche, deren Wasserlevel uns bis zum Hals reichte. Die Höhle ist ein beliebter Schlafraum für Fledermäuse.

Eine Sonnenuntergangsstimmung über dem See …

… und der aufgehende Vollmond über den schwimmenden Bungalows. Eine magische Stimmung!

Uns gefiel es so gut, dass wir spontan einen Tag länger blieben. Schon vor dem Morgenessen schwamm ich ein paar Runden im See. Später entdeckten wir mit dem Kajak die umliegenden Buchten und erfreuten uns am reichhaltigen Buffet. Am nächsten Tag stiegen wir vor der Rückfahrt in die Pra Kie Phet Höhle.

Mein Kollege schlug vor, weiter nach Kao Lak zu reisen. Dieser Ort erlangte 2004 traurige Berühmtheit als die vom Tsunami am härtesten getroffene Thailändische Küstenregion. Tausende Menschen starben alleine in diesem Ort. Am eindrücklichsten vermittelt das Thailändische Marineboot 813 die Wucht der Wellen. Das tonnenschwere Boot wurde fast 2 km ins Landesinnere gespült und ist heute ein Tsunami-Mahnmal.

Auch hier verheilt die Zeit die Wunden. Heute erinnert wenig an dieses schreckliche Ereignis. Die kilometerlangen Strände ziehen wieder unzählige Touristen an.

Der White Sand Beach ist eine der schönsten Strände um Kao Lak und eignet sich wie die anderen Strände wunderbar zum Joggen.

Der Surin Marine National Park befindet sich 60 km von der Küste entfernt und besteht aus fünf kleinen Inseln an der Grenze zu Myanmar. Er gilt als der Ort mit der intaktesten Unterwasserwelt in Thailand. Hier sollte ich als Schnorchler auf meine Kosten kommen. Da die Anzahl Besucher limitiert ist, kann dieser Park nur mit einer Tour besucht werden. Ich entschied mich für die längere 3 Tage/2 Nächte-Variante.

Als erstes besuchten wir ein Moken Dorf. Das Volk der Moken lebt seit Jahrtausenden auf dem Meer und vom Meer und ist nur während der Monsunzeit stationär in geschützten Häfen. Seit einigen Jahren versucht die Thailändische Regierung, diese Leute sesshaft zu machen, damit sie die thailändische Staatsbürgerschaft erlangen können. Sie wohnen nun in einem Dorf namens Bon Bay im National Park, das wir besuchten. Da diese Leute nicht mehr vom Meer leben können, verkaufen sie allerlei Kunsthandwerk an Touristen.

Jeder Schnorchelausflug war besser als der vorhergehende. Dieser National Park bietet tatsächlich die besten Schnorchel-Reviere Thailands!

Einer der unzähligen Sonnenuntergänge, die ich während der sieben Wochen in Thailand geniessen konnte

Strom gab es im National Park nur in der Nacht. Getoastet wurde daher auf einem Grill.

Zurück in Kao Lak verabschiedete ich mich von meinem Kollegen, der in die Schweiz heimkehrte.

Ich reiste mit einem Nachtbus nordwärts nach Prachuap Khiri Khan, einem verschlafenen Städtchen an der Ostküste Thailands. Ein belgisches Päärchen hat mir diesen Ort empfohlen. Obwohl es hier einen langen breiten Strand gibt, verirren sich nur wenige Touristen in diese Gegend. Daher ist das Preisniveau einiges tiefer als an den Touristenorten.

An einem Ende der Stadt befindet sich auf einem Hügel die Tempelanlage Khao Chong Kra Chok. Beim Aufstieg zum Tempel trifft man Makaken mit ihren niedlichen Jungen.

Vom Tempelberg geniesst man eine tolle Sicht auf die Bucht von Prachuap Khiri Khan und über die Stadt.

Ao Manao, der Strand von Prachuap Khiri Khan, ist Teil des Militärflughafens Wing 5. Deshalb muss zuerst die Sicherheitskontrolle der Militärbasis passiert werden, bevor man den Strand erreichen kann. Auf dem Gelände ist kaum Betrieb. Während meines Aufenthaltes landete ein Hubschrauber. Das Militär stellt sicher, dass der Strand regelmässig gereinigt wird, sodass er als einer der saubersten Strände Thailands gilt. Der Strand ist breit, es hat nur wenige Leute und es gibt keine hohen Wellen. Ein idealer Badestrand!

Auch auf der Militärbasis hat es Affen. Dieses Mal sind es Languren.

Mit einem Minibus reiste ich zurück nach Bangkok, wo ich ein paar Tage einplante, um eine neue Brille machen zu lassen. Ich erstellte mir eine Liste möglicher Optiker. Das erste Optiker-Geschäft machte mir ein so gutes Angebot, dass ich es nicht ablehnen konnte. Ein modischen Gestell und dichte (Brechungsindex 1.67), entspiegelte Brillengläser kosteten umgerechnet CHF 80.-. Später fragte ich in anderen Geschäften in Bangkok, wo diese Gläser alleine CHF 200 gekostet hätten. In der Schweiz sind diese Gläser noch viel teuerer. Nach einer Stunde war die Brille bereits abholbereit. Ich fragte die Chefin Tak, wie dieser tiefe Preis möglich sei. Sie erzählte mir freimütig, dass sie Umsatz machen will und meine Brille daher unter einem Programm für thailändische Studenten läuft, die vorher einem Club beitreten mussten.

Hauptstädte bieten immer auch kulinarischen Genuss auf höchstem Niveau. Ich entschied mich daher, zwei Gourmet Restaurants zu besuchen: Das Michelin-prämierte Savelberg (Link) und das The Reflection im Hotel Athenee (Link). Beide Restaurants waren ausgezeichnet. In heissen Ländern wie Thailand, die zudem hohe Einfuhrsteuern auf Weinen erheben, habe ich kaum gute Weine in Restaurants gefunden. In diesen beiden Restaurants war die Weinbegleitung zu den Menus jedoch ein Genuss.

Damit ging eine siebenwöchige Thailand-Reise zu Ende. Ich kann nun meine Vorurteile revidieren. Es gibt freundliche Thais und vom Massentourismus noch weitgehend verschonte Ecken.

Den nächsten Monat werde ich in Sri Lanka verbringen.