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Indonesien – Einige der besten Schnorchelplätze

November / Dezember 2016

Letzten Frühling verbrachte ich unvergessliche Tage in Raja Ampat, das im Indonesischen Teil von Papua liegt. Wenige, meist weit gereiste Traveller, erreichen diese abgelegene Gegend. Ich fragte diese Leute jeweils nach den besten Schnorchelplätzen in Indonesien und erhielt eine ganze Reihe von Tipps. Aus diesen Orten stellte ich mir die jetzige Reise zusammen.

Alor Insel

Zuerst flog ich auf die Insel Alor, wo ein französisches Pärchen mit zwei Kindern ein Tauch-Resort betreibt. Dank europäischem Management fand ich ein gut funktionierendes, freundliches Resort vor. Die Indonesischen Angestellten kommen rechtzeitig zur Arbeit und das Tauchschiff ist morgens zum Auslaufen bereit. In Indonesien ist das nicht selbstverständlich und erfordert viel Training und Geduld.

Die Unterwasserwelt war vielfältig, aber grosse Fische sah ich um Alor keine, da die Einheimischen fischen und mit Unterwasserharpunen auf Jagd gehen. Mit dem Tauchboot passierten wir verschiedene Inseln um Alor. Ich war erstaunt über die riesigen und solide gebauten Kirchen und Moscheen, die mit den einfachen Hütten der Bewohner in den kleinen Dörfern kontrastierten.

Pura Lantang: Knaben vom nahen Dorf spielen mit dem Tauchboot

Die Unterwasserwelt

Eine Weissaugen-Muräne (engl. Greyface moray)

Eine Seegurke (engl. Sea cucmber)

Delphine

Weil das Resort voll wurde, verbrachte ich ein paar Tage auf der Alor-Hauptinsel, wo ich ein traditionelles Dorf, das höher gelegene Kaffeeanbaugebiet und eine Weberei-Kooperation besuchte. Die Kooperation stellt auf natürliche Art über 100 verschiedene Farben her, mit denen die Garne eingefärbt werden. In einem Dorf konnte ich Kleider aus Holzrinde bestaunen, für die Alor bekannt ist. Die Rinde wird so lange bearbeitet, bis sie weich und daher angenehm zu tragen ist.

Einige Einheimische

Eine Frau der Hula Ikat Weaver Dorf-Kooperative zeigt die baumwollähnliche Pflanze, aus der die Textilien hergestellt werden

Hoga Insel im Wakatobi Reef

Die Hoga Insel im Wakatobi Reef südöstlich von Sulawesi war meine nächste Destination. Das Hoga Island Dive Resort wird von einer initiativen Indonesierin geführt. Für die gute Organisation und die Liebe zum Detail ist eine Holländerin verantwortlich, die seit vielen Jahren jeweils ein halbes Jahr dort wohnt. Gleich vor dem Resort erstreckt sich ein vielfältiges Hausriff über die ganze Insellänge. Allerdings ist die für das Schnorcheln interessante Stelle vor dem Übergang ins tiefe Meer, der Drop-off, mehrere Hundert Meter weit vom Strand entfernt. Die Schönheit des Riffs kompensierte mich für diesen Nachteil. Ich war alleine mit einem begeisterten Taucher aus Tschechien im Resort. Meist fuhr ich mit ihm auf dem Tauchboot zu guten Schnorchel-Plätzen, wo die Korallen mitten im Meer Riffinseln bildetet.

Die Unterwasserwelt war eindrücklich, wie die folgenden Bilder zeigen

Ein Grüner Buckelkopf Papageifisch (engl. Green humphead parrotfish)

Eine giftige Gelblippen Seeschlange, auch Nattern-Plattschwanz genannt (engl. Banded Sea Krait)

Noch giftiger ist der Rotfeuerfisch (engl. Lion fish)

Ein Forsters Korallenwächter (engl. Freckled Hawkfish)

Zwei Clarks Anemonenfisch (engl. Clark’s anemonefish)

Auch die Sonnenuntergänge waren traumhaft

Ein Dorf des Bajo-Stammes

Die Holländerin hat ein Herz für die Leute im nahen Dorf des Bajo-Stammes. Es sind Meereszigeuner, deren Dörfer in ganz Südostasien zu finden sind. Bei der Heirat sind die Mädchen teils erst 14 und die Jungens ein wenig älter. 14-jährige Mütter sind daher nichts aussergewöhnliches. Es gibt immer wieder Härtefälle, die Hilfe nötig machen, sei es mit Medikamenten, Transportfahrten oder Gelder für Operationen. Sie hat auch ein Hilfswerk gegründet, mit dessen Mittel ein Schulboot finanziert wird. Einem Jungen ist eine grosse Blase aus dem Kopf gewachsen. Sie hat sich sehr um ihn gekümmert und ihm die Operation zur Entfernung dieser Blase bezahlt. Verständlicherweise war sie sehr enttäuscht, als er ihr anschliessend € 600 stahl.

In der Gegend ist auch eine englische Firma tätig, die ein Riff-Schutz-Programm anbietet. Westliche freiwillige Helfer können für teures Geld an einer Studie zur Erforschung des Wakatobi-Riffs mithelfen. Das Programm läuft bereits mehrere Jahre. Wie die Holländerin erzählt hat, zeigt sich immer mehr, dass die Firma gar nicht an der Erforschung und Erhaltung des Riffs interessiert ist, sondern einfach die Gebühren der Helfer einkassieren will. Die gleiche Firma bietet ein sündhaft teures Programm für Kinder reicher Eltern an. Die Kinder sollen das Leben armer Leute kennenlernen und leben daher auf einfachste Weise bei den Fischern im Dorf. Auf Mobiltelefone und Internet müssen sie verzichten. Obwohl das Programm für die Eltern sehr kostspielig ist, erhalten die Fischerfamilien bloss umgerechnet vier Franken im Tag für die Unterkunft und drei Mahlzeiten. Das Management des Programms und die vier Aufsichtspersonen kosten zwar auch etwas, doch ist es offensichtlich, dass dieses Programm für die Firma hochprofitabel ist.

Labuan Bajo und das Seraya Resort

Auf meiner Indonesienreise vor zwei Jahren besuchte ich die Stadt Labuan Bajo auf der Insel Flores. Die Stadt ist mir sehr positiv in Erinnerung geblieben, weil es zwei wirklich gute Italienische Restaurants gab, die sich gegenseitig konkurrenzierten und jedes besser sein wollte als das andere. Zudem wohnte ich in einem Zimmer mit Sicht über den Hafen und die ganze Bucht von Labuan Bajo. Vor Labuan Bajo erstreckt sich der Komodo Nationalpark, ein UNESCO Weltkulturerbe. Er umfasst die beiden Inseln Komodo und Rinca, wo die berühmten Komodo-Echsen leben. Aber auch eine grosse Meeresfläche mit unzähligen kleineren Inseln und einer vielfältigen Unterwasserwelt ist durch diesen Park geschützt. Ich wollte von Labuan Bajo aus Tagesausflüge zu verschiedenen Schorchelorten unternehmen. Leider war das nicht so einfach, ohne selbst jeweils ein Boot zu chartern und alleine loszufahren. Die meisten Touristen hatten wenig Zeit und unternahmen nur den Ausflug zu den Komodo-Echsen. Ich konnte niemanden für einen Schnorchelausflug begeistern. Das Hotel hatte ein Partner-Resort auf der Insel Seraya, vor der ein schönes Riff liegt. Aber auch dort wäre ich der einzige Gast gewesen, sodass ich die Rezeption bat, mich zu informieren, falls sich jemand für das Seraya Resort interessiert. So blieb ich ein paar Tage in der Stadt und war ein regelmässiger Gast im nun einzigen italienischen Restaurant. Das zweite zog an einen Strand ausserhalb der Stadt. Leider hat die Qualität des übrig gebliebenen Restaurants ohne Konkurrenz nachgelassen. Zudem hat der Besitzer ein zweites Restaurant in einer anderen Stadt eröffnet und kann sich daher nicht mehr gleich intensiv um sein Restaurant in Labuan Bajo kümmern. Nach ein paar Tagen erkundigte sich eine Deutsche Tierärztin nach dem Seraya Resort. Sogleich wurde ich informiert und nach einem Gespräch entschieden wir uns, ein paar Tage auf dieser Insel zu verbringen. Kurz vor der Abfahrt schlossen sich uns noch zwei Spanierinnen an. Das Personal des Resorts war auch auf dem gleichen Boot zum Resort. Ein Schrankschlüssel des Resorts ging in Labuan Bajo vergessen. Nachdem das Team ihn mit dem Boot in Labuan Bajo holte, konnten wir mit ein paar Stunden Verspätung die Handtücher in Empfang nehmen. Das Riff war eines der besten, dem ich bisher begegnet war. Das Resort befindet sich in einem Mobilfunkloch, so dass ich vom Resort aus nicht ins Internet gehen konnte. Allerdings war eine kurze Wanderung zum sogenannten „Telkomsel“-Point ausgeschildert, wo das Signal der lokalen Telekommunikationsfirma Telkomsel empfangen werden konnte. So kam ich auf einer Anhöhe mit dem Laptop auf den Knien doch noch ins Internet.

Anschliessend flog ich nach Papua, der östlichsten Provinz Indonesiens.

Raja Ampat

Doberai Resort

Im März dieses Jahres war ich bereits in Raja Ampat und war begeistert von der Unterwasserwelt. Travellers haben mir das Deborai Beach Resort empfohlen. Es war mehr als drei Mal teurer als das Resort, das ich im Frühling in Papua besuchte und entsprechend hatte ich hohe Erwartungen. Doch schon der Buchungsprozess zeigte, dass es unter Indonesischem Management stand. Die Buchungsunterlagen musste ich wegen Fehlern drei Mal zurückschicken und ich wartete wochenlang, bis ich eine Empfangsbestätigung für die Depotzahlung erhielt. Ein paar Tage vor der Ankunft fragte ich das Resort, wann die Fähre von der Stadt Sorong nach Waisai, dem Hauptort in Raja Ampat, fuhr. Gemäss der Auskunft des Resorts sollte die Fähre um 10 Uhr morgens fahren, doch am Hafen musste niemand etwas von einer 10 Uhr-Fähre. Die fahrplanmässige Abfahrt war um 14 Uhr, so dass ich mich vergebens zum Hafen begeben hatte.

Als ich ankam, lernte ich den Besitzer Aswad kennen, dem die ganze Insel gehört. Er stammt anscheinend aus einer reichen Familie aus der Hauptstadt Jakarta, aber sein Traum war das Leben auf einer Insel. So entschloss er, diese abgelegene Insel in Raja Ampat zu kaufen und ein Resort aufzustellen. Ohne Tourismuserfahrung lernte er über die Jahre einiges dazu. Das Resort hatte schön gelegene, grosse Bungalows auf Stelzen über dem Wasser, das Bett hatte eine gute Matratze, das Badezimmer eine Dusche und Kajaks standen gratis zur Verfügung. Das rechtfertigte einen Aufpreis gegenüber einfacheren Unterkünften. Andererseits kam ich zum Schnorcheln und wurde in dieser Hinsicht enttäuscht, denn die Sicht betrug kaum mehr als drei Meter und ein permanenter Grünstich liess die Farben blass erscheinen. Viele Korallen waren zerstört, denn die Insel gehörte vorher einer Taiwanesischen Perlenzucht-Firma. Grosse Fische sah ich zudem kaum. Mit einem Deutschen Paar wollten ich den Bird of Paradise aufspüren, ein farbiger Vogel mit langen, geschwungenen Federn. Um ihn zu sehen, muss man früh aufstehen. Unsere Tour sollte vor Sonnenaufgang morgens um 5 Uhr starten. Wir drei waren pünktlich bereit, doch das Boot, das uns auf eine andere Insel bringen sollte, war nirgends zu sehen. Um 5:25 entschied ich mich, wieder schlafen zu gehen, denn nun war es bereits zu spät, um die scheuen Vögel sehen zu können. Die letzten drei Tage war ich der einzige Gast. Ich werde nicht mehr kommen.

Kri Insel

Meine letzte Schorcheldestination war die Insel Kri, die sich auch in Raja Ampat befindet. Hier war ich schon letzten März. Es gefiel mir so gut, dass ich zurück kam. Und die 70-jährige Österreicherin Helga, die ich im März getroffen hatte, war auch wieder da. Auch dieser Ort entwickelt sich. Im letzten halben Jahr wurden mehrere Bungalows gebaut. Dieses Mal fiel abends einige Male der Strom aus. Wie sich herausstellte, war der Treibstoffvorrat für den Generator zu Ende gegangen und die Crew musste den Treibstoff in der Dunkelheit auf der 15 Boots-Minuten entfernten Nachbarinsel kaufen. Das kann ja einmal passieren, aber wenn der Strom an mehreren Nächten für 30-60 Minuten ausfällt, weil der Treibstoff vergessen ging, ist das aus westlicher Perspektive schwer verständlich. Trotzdem gefällt mir dieser Ort. Die Unterwasserwelt hier ist die beste, die ich kenne und im Resort herrscht eine familiäre Atmosphäre mit interessanten Leuten. Anscheinend bin ich ein gern gesehener Gast, denn ich wohnte im Bungalow mit der besten Lage für den halben Preis, was andere Leute für eine schlechtere Unterkunft zu bezahlen hatten. Und bei der Abreise stellte sich heraus, dass die von mir getrunkenen paar Biere vom Resort übernommen wurden.

Ein Spitzkopfzackenbarsch (engl. Slender Grouper)

Eine Riesenmuschel (engl. Giant clam)

Korallen

Ein Schwarm von Grossaugen-Stachelmakrelen (engl. Bigeye trevally)

Weissrücken-Anemonenfische (engl. Skunk clownfish)

Ein Honigwaben-Zackenbarsch (engl. Honeycomb Grouper)

Eine Gruppe von Grosskopf-Schnapper (engl. Big-eye bream)

Ein Krokodil-Hornhecht (engl. Crocodile Needlefish)

Ein Blaupunkt-Kugelfisch (eingl. Blue-spotted puffer)

Diese Barsch-Art konnte ich nicht identifizieren.

Ein Schwarzspitzen-Riffhai (engl. Blacktip Shark)

… und dieser hier kam direkt auf mich zu, drehte dann aber ab.

Auf meiner Reise diskutierte ich mit ganz unterschiedlichen Leuten über die Situation in Indonesien. In diesem Land sind Zustände üblich, die in der westlichen Welt undenkbar wären.

Zum Beispiel gibt es viel zu viele gut bezahlte Staatsangestellte, die unterbeschäftigt sind oder gar keiner Beschäftigung nachgehen. Zudem verreisen diese Leute geschäftlich zu Sitzungen, die irgendwo im weitläufigen Land stattfinden. Es wird diskutiert, aber schlussendlich sind keine Resultate sichtbar. Bereits dieser Umstand ist eine immense Verschwendung menschlicher Ressourcen, die für das Land nützlicher eingesetzt werden könnten.

Eine andere Unsitte ist das Verkaufen von Arbeitsstellen des Staates, zum Beispiel für Lehrer oder Polizisten. Das Geld kommt nicht dem Staat zu gute, sondern landet in den privaten Taschen der Vorgesetzten, die die Anstellungsentscheidung treffen. Es wird also nicht der beste Kandidat ausgewählt, sondern der, der den hohen Betrag bezahlt. Es geht hier um tausende von Franken und kann bis zum dreissigfachen des Monatslohnes einer Arbeitsstelle ausmachen. Ist die Arbeitsstelle gekauft, ist man unkündbar. Daher hat es keine Konsequenzen, wenn Lehrer gar nicht in der Schule erscheinen, sondern sich um ihre eigenen Nebengeschäfte kümmern. Es scheint ihnen egal zu sein, dass die Kinder kaum etwas lernen. Die Prüfungen bestehen die Kinder trotzdem, denn die Lehrkraft schreibt die Lösungen während der Prüfung einfach an die Wandtafel.

Eine Reisende hat von einem grossen Feld mit Solarkollektoren erzählt. Leider waren die Kollektoren nie angeschlossen worden und rotteten vor sich hin. Eventuell ist es ein MyClimate-Projekt, mit dem die westlichen Länder ihre CO2-Emmissionen kompensieren möchten.

Die meisten Indonesier sind Muslime, die einen toleranten Islam praktizieren. Aber auch in diesem Land gibt es unterschiedliche Meinungen über die Anwendung des Islams. Teilweise wird die Religionsfrage auch benutzt, um politische Ziele zu erreichen. Zum Beispiel ist ein christlicher Chinese der aussichtsreichste Kandidat für das Governeursamt in Jakarta. Auch viele Muslime unterstützen ihn, da er integer ist und entschieden gegen Korruption vorgehen will. Da das nicht allen passt, hetzen gegnerische Muslime gegen ihn als Christ.

Anschliessend flog ich ins Baliem Tal, das sich im Hochland von Papua befindet und wo das Dani-Volk lebt.