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Fiji

Mai / Juni 2011

Den letzten Monat meiner Reise verbrachte ich auf Fiji. Wir verbinden mit diesem Namen ein Südseeparadies mit feinsandigen Stränden, glasklarem Wasser, einer atemberaubendem Unterwasserwelt und freundlichen Südseebewohnern. Fiji bietet das alles und ich habe mich auf Fiji wohlgefühlt.

Wenn man die Resorts verlässt und im Land herumreist, merkt man bald, dass Fiji ein Drittweltland ist mit all den damit verbundenen Problemen wie Land-Stadtflucht, hoher Arbeitslosigkeit, Kriminalität, tiefem Bildungsniveau und kaum vorhandener Infrastruktur ausserhalb der grossen Städten und den Touristenzentren.

Die Fijianer sind zur Hälfte Ureinwohner und fast zur Hälfte Nachkommen von indischen Zwangsarbeitern, die von der Britischen Kolonialregierung im 19. Jahrhundert nach Fiji gebracht wurden, um auf den Zuckerrohr-, Baumwoll- und Tabakfeldern zu arbeiten. Diese beiden Gruppen sind sehr homogen geblieben. Nur sehr wenige heiraten über die Gruppengrenzen hinweg. Obwohl man als Tourist nichts davon merkt, gibt es Spannungen zwischen den Ureinwohnern, denen das Land gehört und den Indern, die die Wirtschaft beherrschen. Diese Spannungen führten zu mehreren Staatsstreichen – der letzte im Jahr 2006 -, unter denen die Bevölkerung wegen dem Rückgang des Tourismus litt. Auch jetzt noch ist die Situation labil.

Die Fijianer sind freundliche Leute. Deswegen kann man ihnen auch nicht verübeln, dass trotz gutem Willen immer wieder etwas schief geht. Einmal buchte ein Reisebüro für mich in einem Resort und ich erhielt vom Reisebüro einen Voucher. Das Resort wusste aber nichts von meiner Buchung. Ein anderes Mal buchte man für mich ein Bungalow ohne eigenes Bad, obwohl ich eines mit eigenem Bad wollte und das auf dem Voucher vermerkt war. Natürlich war der Preis dann einiges höher und ich musste die Differenz vor Ort bezahlen. Ein anderes Mal war der offerierte Preis eines Reisebüros auf der Basis einer Zweierbelegung, obwohl das Reisebüro wusste, dass ich alleine unterwegs war. Schlussendlich war einmal die gewaschene Wäsche zu meinem Abreisezeitpunkt noch nass, obwohl mir vorher versichert wurde, dass die Zeit reiche. Oder der verrechnete Wechselkurs war schlechter als auf der Anzeigetafel stand. Die Anzeige war halt noch nicht aufdatiert. Ich war grosszügig zu den Einheimischen, denn die Löhne auf Fiji sind tief. Trotzdem fällt auf, dass alle Fehler zu meinem Ungunsten ausgefallen sind. Ich habe mit der Zeit gelernt, dass ich am besten alles selbst organisiere und den Versprechungen der Einheimischen keinen Glauben schenke. Danach hatte ich kaum noch Probleme.

Kein Verständnis bringe ich hingegen dafür auf, dass auf der Insel Taveuni ein geschützter Meerespark weiterhin für tolles Schnorcheln angepriesen und ein hoher Eintritt verlangt wird, obwohl der Zyklon Thomas ein Jahr vorher fast alle Korallen zerstört hat und kaum noch Fische zu sehen sind. Das Dorf hat sich halt an die Einnahmen aus dem Park gewöhnt und will diese nun trotzdem vereinnahmen. Unfair hat sich auch das Verkaufspersonal eines hochpreisigen Warenhauses verhalten, dass mir versicherte, dass die Mehrwertsteuer bei der Abreise am Flughafen rückerstattet wird. Am Flughafen hat sich dann gezeigt, dass ich die Mindesteinkaufsmenge nicht erreichte und ich daher nichts zurück erhielt.

Nadi

Aber nun zu meiner Reise. Der Hauptflughafen befindet sich bei Nadi, der zweitgrössten Stadt auf der Hauptinsel Viti Levu. Es ist eine sehr weitläufige Stadt, deren Zentrum aber nur aus wenigen Strassen besteht. Ich deckte mich sogleich mit ein paar blumigen Fiji-Hemden und einem Sulu ein. Der Sulu ist ein einfarbiger, bis zu den Unterschenkeln reichender Rock für Männer. Das internationale Jazz und Blues Festival fand zur Zeit meines Aufenthaltes in Nadi statt, so dass ich dort länger blieb, um zwei Nächte lang Bands aus Fiji, Neuseeland, Australien und den USA zu sehen.

Indische Hindu Tempel in Nadi

Garten des schlafenden Riesen

Der Besuch im „Garten des schlafenden Riesen“ in der Nähe von Nadi lohnt sich.

Die nächsten zwei Wochen verbrachte ich auf den Inselgruppen Mamanuca und Yasawa. Jede Insel und jedes Resort hatte ihre Eigenarten und auf jeder Insel gab es auch unter Wasser neue Entdeckungen zu machen. So habe ich jagende Fischschwärme gesehen, einen Hai, einen Tintenfisch, eine Wasserschlange, mehrere Rochen und einen fast zwei Meter langen Baracuda.

Insel Mana

Aussichten von einem Strandspaziergang

Diese Grossmaulmakrelen (engl. Indian mackerel) können das Maul ganz schön weit öffnen

Auf dem Boot von der Insel Mana zur Bounty Insel

Bounty Insel

Mein Büro

Sonnenaufgang auf der Bounty Insel

Beim Schnorcheln

Ein Schwarzspitzenriff-Hai

Nanuya Lailai Insel

Sonnenaufgang auf der Nanuya Lailai Insel

Die Leute auf Fiji sind sehr religiös. Eine Frau läutet am Sonntagmorgen die Kirchenglocke.

Zwei Einheimische mit den bunten Fiji-Hemden und dem Sulu. Der Sulu ist ein einfarbiger, bis zu den Unterschenkeln reichender Rock für Männer.

Den Höhepunkt der Yasawas Inseln hatte ich auf den Schluss aufgespart. Die Insel Nacula hat einen langen Sandstrand mit einem intakten Reef, das das Resort mit Hilfe eines Amerikanischen Riff-Experten wieder hergestellt hatte. Da der Dorf-Chef der Besitzer des Resorts ist, ist sichergestellt, dass kein Einheimischer dort fischt. Das Meer ist kristallklar und dank dem Sanduntergrund hellblau. Eine Ansicht wie aus dem Ferienprospekt!

Insel Nacula – Oarsman Bay

Mit den Angestellten des Resorts

Aussicht vom Hügel oberhalb des Resorts

Schnorcheln im Haus-Riff

Auf dieser Insel war das Mobiltelefonnetz mit UMTS aufgerüstet, so dass ich hier wieder einmal schnelles Internet geniessen konnte. Ich hatte übrigens als einziger auf der Insel Internet, da der Internetzugang des Resorts defekt war. Das hat sich schnell herumgesprochen, so dass die Einheimischen zu mir kamen, um sich in ihr Facebook-Konto einzuloggen.

Ansonsten waren die Inseln bloss mit dem langsamen Mobiltelefonnetz der 2. Generation ausgerüstet (GPRS), bei dem es rund 10 Minuten dauert, bis man sein erstes Mail öffnen kann. Das Herunterladen des Kreditkartenauszugs dauerte rund 25 Minuten. Da sind sogar die Philippinen einiges weiter.

Zurück auf der Hauptinsel reiste ich der Südküste, der sogenannten Coral Coast, entlang nach Suva, der Hauptstadt und grössten Stadt in der Südsee. Unterwegs gab es die grössten Dünen der Südsee zu bestaunen und es befinden sich entlang der Küste ein paar Resorts mit schönen Stränden.

Sigatoka Sand Dunes

Das Pacific Harbour Uprising Resort – Hier bekam ich das Familienzimmer zum Preis des Einzelzimmers

Auch Suva hat ein relativ kleines Zentrum und ist sehr weitläufig. Die Architektur der Stadt widerspiegelt unterschiedliche Stile und Zeitperioden. Koloniale Häuserzeilen stehen neben modernen Shoppingzentren. Es gibt Villenquartiere – na ja, keine Villen, wie wir sie von der Schweiz her kennen – wie auch grosse Ansammlungen von einfachsten Behausungen, die auf unregistriertem Land stehen. Die Hälfte von Suvas Bevölkerung lebt in diesen Hütten. Dementsprechend ist die Kriminalität nachts hoch. Es wird empfohlen, in der Nacht immer ein Taxi zu benutzen und sowieso nicht alleine unterwegs zu sein. Ein Höhepunkt in Suva waren für mich die indischen Süssigkeiten, die ich schon von Indien her kenne und die hier von der lokalen indischen Bevölkerung hergestellt werden.

Insel Taveuni

Meine letzte Woche auf Fiji verbrachte ich auf der Insel Taveuni, die für ihre Tauch- und Schnorchelgründe bekannt ist.

Ein Mitarbeiter informiert die Passagier vor dem Flug nach Taveuni über die Sicherheitsbestimmungen.

Hier lernte ich das echte Fiji kennen. Ein eigenes Stromnetz hat die Insel nicht. Jedes Dorf oder Resort hat seinen eigenen Generator, der wegen dem teurem Benzin oft nur abends für ein paar Stunden läuft. Die einzige Strasse um die Insel ist nur zu einem kleinen Teil asphaltiert. Der Busfahrplan ist mehr als ungefähre Angabe zu verstehen. Verspätungen von mehr als einer Stunde sind ganz normal. Zur Sicherheit fährt der Mechaniker mit dem Bus gleich mit. Und tatsächlich gab es ein Problem mit den Bremsen, das der Mechaniker unterwegs beheben konnte. Natürlich ist das Mobiltelefonnetz nur auf dem Stand der 2. Generation. Dafür wurde ich mit wunderbaren Landschaften, endlosen Palmenhainen, einsamen Stränden, ursprünglichen Dörfern, einer äusserst vielfältigen Unterwasser- und Pflanzenwelt und freundlichen Menschen belohnt. Früchte sind im Überfluss vorhanden, so dass jeder gratis so viele Früchte ab den Bäumen pflücken kann wie er will.

Abendunterhaltung in Taveuni: Gitarre spielen und Kava trinken. Kava ist das Nationalgetränk Fijis. Es besteht aus dem Pulver der Wurzeln einer im pazifischen Raum vorkommenden Pflanze und schmeckt leicht bitter.

Der 180 Grad Meridian läuft durch Taveuni. Dieser Laden behauptet, er öffne weltweit  jeden Tag als erster.

Auch ein paar Ausländer haben Taveuni entdeckt und führen nun Resorts, haben dort Ferienhäuser oder geniessen auf ihren Grundstücken mit Meersicht ein sehr beschauliches Leben.

Die grosse Terrasse rechts unten gehört zu einem Restaurant, in dem ich ein paar Mal zum Mittagessen war.

Abendstimmung

Waschtag

Schulkinder besteigen den Schulbus

Paradise Taveuni Resort

Im Paradise Taveuni Resort war ich ab und zu Tagesgast

Lavena Küsten-Wanderweg und Wainibau Wasserfall

Die Neuseeländer haben das Konzept der Wanderwege eingeführt. Die Dorfbewohner unterhalten die Wege und dürfen dafür eine Benutzungsgebühr verlangen. Damit können sie die Schule und andere Dorfeinrichtungen finanzieren.

Ein Dorfbewohner war mein Führer auf dem Lavena Küsten-Wanderweg im Bouma National Heritage Park. Er war die 5 km hin- und zurück barfuss unterwegs.

Der Endpunkt des Weges war der Wainibau Wasserfall, den man am Schluss schwimmend erreichen konnte.

Aber auch Taveuni ist nicht frei von Problemen, müssen doch die hier operierenden Perlenzuchten 24 Stunden pro Tag überwacht werden, nachdem in einer Nacht- und Nebel-Aktion schon alle Muscheln samt den sich darin befindenden Perlen gestohlen wurden.

Alles in allem hat sich die Fiji-Reise gelohnt. Die Unterwasserwelt war vielfältiger, als ich sie von Asien her kenne. Zudem habe ich interessante Touristen kennengelernt, die ich in Südostasien nicht getroffen hätte. Falls es mich auf einer Weltreise wieder nach Fiji verschlägt, würde ich aber nur die Insel Nacula besuchen. Denn dieser Ort ist ein Paradies!

Alles in allem ist die fünfeinhalb-monatige Winter-Reise problemlos verlaufen. Ich war abgesehen von einem Schnupfen nie krank und musste auch keinen schwerwiegenden Zwischenfall erleben. Dies ist nicht selbstverständlich. Wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist, kann auch einem erfahrenen Reisenden etwas zustossen.

Nach ein paar Tagen in Singapur kehrte ich in die Schweiz zurück.