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Indonesien – Bali, Gili, Komodo, Flores und Sulawesi

April / Mai 2014

Bali

Ich startete von den Philippinen kommend in Bali mit dem Plan, von Insel zu Insel hüpfend immer weiter ostwärts zu reisen. In den 80-er Jahren durchquerte ich Sumatra, Java und Bali. Nun wollte ich weitere Inseln entdecken.

Seminyak

Ein Kollege von mir empfahl als erste Destination in Bali Seminyak, ein etwas schickerer Ort an der Küste Bali‘s. Das Hotel war gut und mit dem schnellen Internet konnte ich meine Reise planen. Der Ort gefiel mir aber gar nicht. Strassenlärm und Abgase machten das Spazieren zur Qual. Am Strand wanden sich stinkende Bächlein dem Meer entgegen. Ein Restaurant in der Nähe wurde von der Trip-Advisor-Webseite empfohlen. Gleich am ersten Abend ass ich dort. Es stellte sich heraus, dass das Restaurant von einem Schweizer geführt wurde. Das Essen war gourmet-mässig und auch der offene Wein war trinkbar, eine Seltenheit in Südostasien. So kam ich regelmässig und war bald ein Kollege des Chefs. Leider konnte er mir kaum Tipps über Indonesien geben, da er ausser Bali nicht viel anderes von Indonesien gesehen hatte. Die Balinesen sind Hinduisten. Die Religion ist trotz den vielen westlichen Einflüssen im Leben eines Balinesen allgegenwärtig. Jedes Dorf, aber auch jedes Haus hat einen Tempel. Auch mein Schweizer Kollege musste für sein Restaurant einen Tempel errichten, denn ohne Restauranttempel hätte er kein Personal finden können.

Ubud

Als nächstes reiste ich nach Ubud, ein Künstlerdorf im Innern der Insel. Verglichen mit 1988, als ich das letzte Mal dort war, gab es unterdessen mehr Verkehr und der Ort war gewachsen, doch konnte Ubud seinen Charme bewahren. Ich wohnte in einem Haus, das Teil eines ehemaligen Palastes war und hatte von meiner Terasse einen Ausblick über die Reisfelder. Ubud war schon immer das künstlerische Zentrum Bali‘s. Malerei, Steinmetzerei, Holzschnitzerei, Tanz, Puppentheater und Baukunst werden praktiziert. Mehrere Museen zeigen die Meisterwerke einheimischer, aber auch ausländischer Künstler, die in Ubud lebten.

Das Agung Rai Museum of Art (ARMA) ist das beste Museum für balinesische Kunst

Zwei balinesische Mädchen

Abends werden sehr sehenswerte balinesische Tänze aufgeführt.

Ich genoss, dass dank dem stetigen Touristenstrom in der Zwischenzeit auch einige Gourmet-Restaurants eröffnet wurden, die indonesisches Essen mit westlichem Einfluss auf hohem Niveau anboten. Von Ubud aus unternahm ich ein paar Velotouren. Die Routen führten an unzähligen Tempeln und Reisfeldern vorbei. So macht Sport Spass! Eine Tour führte über Kintamani, eine wunderschöne Gegend, in der ein Vulkan bei einem See steht, der wiederum Teil eines riesigen Kraters ist. In den 80er-Jahren mochten die Leute dort Fremde nicht. Hatte jemand auf einer Motorradtour dort übernachtet, musste er damit rechnen, dass am Morgen Zucker im Benzintank war. Unterdessen wurden viele Hotels um den See herum gebaut. Aber auch heute noch werden Touristen dort von den Einheimischen unfreundlich behandelt.

Meine nächste Destination war die Insel Lombok, wo ich einen Besuch im dortigen Immigrations-Büro abstattete, um mein Visum um weitere 30 Tage auf 60 Tage zu verlängern.

Gili Trawangan

Anschliessend verbrachte ich ein paar Tage auf der kleinen Insel Gili Trawangan, wo man beim Schnorcheln Schildkröten sehen und ebenfalls exzellent essen konnte.

Eine Echte Karettschildkröte (engl. Hawksbill Turtle)

Laba Insel

Die nächste östliche Insel Sumbawa bot gemäss Reiseführer keine Sehenswürdigkeiten. Also buchte ich eine 4-Tages-3 Nächte-Bootstour der Küste Sumbawas entlang von Lombok zur Insel Flores. Ich konnte eine der zwei Kabinen ergattern, um die mich die anderen Passagiere beneideten. Wir sahen unterwegs eine Gruppe kleiner Wale und stoppten an einem Ort, wo oft Manta Rays gesichtet werden. Tatsächlich sahen wir dort beim Schnorcheln gleich mehrere dieser grossen Tiere.

Ein Gefleckter Adlerrochen (engl. Spotted Eagle Ray)

Ein Blaustreifen-Doktorfisch (engl. Lined Surgeonfish)

Komodo und Rinca Inseln

Als Teil des Reiseprogrammes besuchten wir die beiden Inseln Komodo und Rinca des Komodo-Nationalparkes. Auf diesen Inseln leben ungefähr 5’000 Komodo-Warane. Es sind die grössten Echsen der Welt. Sie sind hervorragend an ihre Umwelt angepasst. Sie können schneller rennen als ein Mensch und schwimmen können sie auch. Das gefährlichste an ihnen ist der Biss. Ihre Mundhygiene ist so schlecht, dass ein einziger Biss reicht, um auch grosse Tiere wie Büffel zu töten. Mit dem Biss werden Bakterien und, wie Wissenschaftler erst kürzlich herausgefunden haben, auch ein Gift auf die Wunde übertragen, dass die Wunde nicht mehr heilen kann und das Opfer innert weniger Tagen stirbt. Die Warane brauchen nur auf den Tod ihrer Opfer zu warten. Ist das Opfer tot, frisst die ganze Waran-Familie das Beutetier auf. Auch Knochen werden verdaut. Schweine werden gleich ganz verschlungen. Ein paar Wochen vor meinem Besuch wurde ein Ranger gebissen. Er musste unverzüglich nach Bali geflogen und verarztet werden, damit er überleben konnte. Weniger gut ging es vor dreissig Jahren einem Schweizer, der am Ende einer geführten Gruppenwanderung nicht mehr bei der Gruppe war. Seine Kamera wurde bei der anschliessenden Suchaktion gefunden.

Der Komodo-Waran kann seine Beute und ihre Richtung mit der Zunge über eine Distanz bis zu 4 km riechen. Der Riechsinn ist wichtiger als die Sehkraft und das Gehör.

Ist der nicht süss? Ich meine natürlich den Waran.

Kelor Insel

Unser Boot (links) beim letzten Stop auf der Bootstour zwischen Lombok und Flores auf der Insel Kelor.

Flores Insel

Labuan Bajo

Am  Schluss unserer Bootstour erreichten wir die Stadt Labuan Bajo auf der Insel Flores. Von dieser Stadt aus starten die Tauchtouren zu den Gewässern im Komodo-Nationalpark, die als eine der weltbesten Tauchgründe gelten. Entsprechend halten sich dort kaufkräftige Touristen auf. Es ist ein Segen für die Stadt, denn deswegen konkurrenzieren sich dort gleich drei italienische Restaurants. Ich blieb länger als geplant, denn Gerichte auf höchstem Niveau wie Barracuda Carpaccio, zarte Lammkoteletten an einer Kräuterkruste, Spagetti mit selbstgemachter Pesto-Sauce, Tiramisu und Pizza wie in der Pizzeria beim Italiener hatte ich schon lange nicht mehr und werde ich in Indonesien auch nicht mehr auf den Teller bekommen.

Bajawa

Wir waren ungefähr dreissig Reisende auf dem Boot und einige hatten die gleichen Reisepläne wie ich, so dass wir in einer kleinen Gruppe auf der Insel Flores ostwärts weiter reisten. Die nächste Stadt auf Flores war Bajawa. Wir wanderten zu ein paar traditionelle Dörfern, wo die Leute Tücher webten und verkauften. Technische Errungenschaften wie Strom, Fernseher und eine TV-Satellitenschüssel fanden sich auch in einem traditionellen Dorf.

Eine Frau beim Kauen einer Betelnuss

Eine heisse Quelle heizte gleich die Hälfte eines ganzen Fluss auf. Nachdem man sich im heissen Teil aufgehalten hatte, konnte man sich ein paar Meter weiter wieder abkühlen.

Vulkan Inerie

Am nächsten Tag bestieg ich vor Sonnenaufgang den Vulkan Inerie. Hätte ich gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich darauf verzichtet. Bis weit hinauf musste man sich durch runde Steine durchkämpfen, die sehr schnell ins Rollen gerieten. Die zerissenen Hosen und die Schuhe konnte ich anschliessend auf dem Markt von Bajawa nähen lassen. Die unzähligen Wunden waren nach einer Woche auch wieder verheilt. Immerhin konnte man vom Gipfel eine Rundsicht auf andere Vulkane, Hügel und das Meer geniessen.

Vulkan Kelimuti

Die Busreisen auf Flores sind eine schwierige Angelegenheit. Stickige Luft, lebende Tiere, kleine Sitze und unzählige Halte machen die Busreisen zu einem Gesprächsthema unter den Reisenden. Umso mehr war ich erfreut, als ich hörte, dass zwei Touristenführer ein Auto leer zurück fuhren, nachdem sie Touristen in eine Richtung transportiert hatten. So konnte ich zum Preis eines Bus-Tickets in einem neuen Wagen mit Klimaanlage und zwei sympathischen Führern bequem das acht Stunden entfernte Bergdörfchen Moni erreichen.

Dank der Nähe zum Vulkan Kelimuti machen die Reisenden in diesem kleinen Dorf Halt. Der Vulkan ist einzigartig, da der Vulkan aus drei unmittelbar nebeneinander liegenden Kraterseen besteht, die alle eine andere Farbe aufweisen. Ein See ist türkisgrün, der zweite rostrot und der dritte besteht aus klarem Wasser.

Zwei der drei verschiedenfarbigen Kraterseen des Kelimuti Vulkans

Die Insel Flores war schon bald durchquert und ich wusste noch nicht, wohin ich weiter reisen wollte. Die Insel Timor schien wenige touristische Höhepunkte zu bieten. Ein Schweizer-Paar vom Lombok-Flores-Boot erleichterte mir die Entscheidung. Sie erzählten, dass am nächsten Tag ein Schiff zur Insel Sulawesi aufbricht und sie bereits Tickets gekauft hätten. Nach einer kurzen Konsultation meines Reiseführers war klar, dass Sulawesi eine interessante Insel ist, auf der ich in dem verbliebenen Monat bis zu meiner Rückreise in die Schweiz viel Interessantes erleben konnte.

Sulawesi

Das Schiff war eine riesige Fähre der staatseigenen Reederei Pelni. Ich glaubte, diese Art Fähren von den Philippinen zu kennen. Üblicherweise haben sie einen grossen klimatisierten Saal mit Sitzen, wo man recht bequem reisen kann. Hier gab es ausser im Cafe gar keine Sitzgelegenheiten und das Schiff war überladen. Alle Leute machten sich am Boden breit und richteten sich für die kommenden achtzehn Stunden bis zur Ankunft ein. Man schwitzte und das Sitzen und Liegen auf dem harten Boden war unbequem. Ich hatte nichts zu essen dabei, was ein Fehler war, denn es gab bloss ein vorgekochtes Menu zu kaufen, das nicht schmeckte. Ein Indonesischer Nachbar reiste nach Sulawesi, um zu heiraten. Mit ihm reiste ein ganzer Clan. Die Frauen hatten mehrere Menus vorgekocht und breiteten diese auf dem Boden aus. Der Reis war in Bananenblättern eingewickelt. Als die Frauen meine Blicke sahen, wurde ich freundlicherweise eingeladen. Schlussendlich erreichten wir morgens um zwei Uhr Makassar auf Sulawesi. Müde suchten wir das Hotel auf und waren froh, wieder weich und kühl liegen zu können. Die Schiffsreise war ein Erlebnis, das ich nicht so schnell vergessen werde. Das nächste Mal werde ich aber fliegen.

Makassar

Makassar ist die grösste Stadt von Sulawesi. Man kann ebenso in einem grossen traditionellen Markt einkaufen wie in modernen Shopping Centern. Ein interessanter Teil der Stadt ist der Hafen, wo die traditionellen Schiffe des Seefahrervolkes der Bugis be- und entladen werden. Mit diesen Schiffen wird schon seit Jahrhunderten Handel betrieben.

Bira

Gemäss meinem Reiseführer war das mit dem Bus acht Stunden entfernte Bira einen Besuch wert. Ich wurde enttäuscht. Bira ist ein Wochenendausflugsziel der Leute von Makassar und diese Leute hinterlassen am Sonntagabend einen riesigen Müllberg. Ich kam am Montag an und bereute es, mich für diesen Umweg entschieden zu haben. Immerhin konnte ich einen ganztägigen Schnorchelausflug zu anderen Inseln unternehmen. Die Korallen und Fische waren ja ganz interessant, aber ich hatte mehr erwartet. In der Nähe gab es eine Werft, wo die Bugis die Schiffe bauen, die ich im Hafen von Makassar gesehen hatte. Es war eindrücklich zu sehen, wie die Arbeiter die Holzteile in der richtigen Form zusägten, ohne einen schriftlichen Plan vor sich zu haben. Diese Leute haben den ganzen Bauplan und die Form aller Teile nur im Kopf!

Tempe See

Da die Busverbindung zu meinem nächsten Reiseziel, dem Toraja-Land, kompliziert und zeitaufwändig war, schätzte ich es, dass ich zusammen mit einem Deutschen Pärchen ein Auto mit Fahrer chartern konnte, das uns nach Sangkeng mit guten Busverbindungen zu unserem Ziel brachte. Da wir bereits im frühen Nachmittag in der Stadt ankamen und planten, die Nacht dort zu verbringen, unternahmen wir einen Ausflug auf dem riesigen Tempe-See. Ein paar Familien wohnen auf Hausbooten auf dem See und leben vom Fischfang und von den Wasserpflanzen, die auf dem See wachsen.

Eine der Arten, Hühner auf Sulawesi zu transportieren

Ratenpao

Am nächsten Tag reiste ich nach Ratenpao, dem Hauptort des Toraja-Landes. Diese Gegend ist bekannt für die schiffähnlichen, vorne und hinten weit ausladenden Dächer.

Toraja Häuser im Bau

Gegenüber dem Wohnhaus ist jeweils ein etwas kleinerer Reisspeicher gebaut. Die Wände der Häuser sind reich mit Holzschnitzereien verziert und unzählige Büffelgeweihe reihen sich vertikal oft über die ganze Höhe der Häuser.

Toraja Begräbnis

Die Hauptattraktion der Gegend sind die aufwändigen Begräbnisse, die mehrere Tage dauern und an denen dutzende Tiere geschlachtet werden, meist Büffel und Schweine. Die Anzahl der geschlachteten Tiere zeigt den Status des Toten und dessen Familie an. Die Torajaner glauben, dass die Toten schneller ins Jenseits gelangen, je mehr Tiere ihnen zur Verfügung stehen. An der Beerdigungszeremonie, an der ich teilnahm, wurden ungefähr zwanzig Büffel, dreissig Schweine und ein Fohlen getötet. Der Wert der Tiere betrug mehrere zehntausend Franken. Kein Wunder, muss bis zu zwei Jahre nach dem Tod gespart werden, bis genug Geld für das Begräbnis vorhanden ist. Sehr reiche Leute können es sich leisten, einen Albinobüffel schlachten zu lassen. Diese Tiere kosten bis zu 50‘000 Franken. Ich war bei einem mittelgrossen Begräbnis dabei. Das Fleisch der geschlachteten Tiere wird verteilt. Der Staat und die Kirche erhalten den ersten Anteil. Das restliche Fleisch geht an die Familie und an die Teilnehmer des Anlasses, wobei sich der Anteil nach dem Ansehen richtet. Die Schlachtungen finden vor allen Besuchern statt.

Ein Büffel bei einer Toraja Beerdigung im Todeskampf

… und tot.

Es ist ganz normal, dass auch Kinder die Tötungen sehen. Sie bekommen dann die abgeschnittenen Büffelfüsse zum Spielen.

Die Büffelfüsse sind für die Kinder zum Spielen

Für mich waren die Schlachtungen das Brutalste, was ich je gesehen habe. Am Ende zitterten meine Hände. Die ersten Büffel wurden am Fuss an einem Pfahl angebunden, damit sie im Todeskampf nicht in die Zuschauer rannten. Dann wurde mit einer Machete die Kehle des Büffels aufgeschnitten. Sofort spritzte Blut aus der Halsgegend. Im Todeskampf reagierte jeder Büffel anders. Einige blieben einfach stehen, bis sie sich nicht mehr auf dem Beinen halten konnten, zu Boden fielen und sich bald nicht mehr bewegten. Andere, die vor dem Todesstoss nicht angebunden wurden, rannten noch in der Gegend umher. Zwei Mal musste ich mich rennend in Sicherheit bringen. An solchen Anlässen wurden schon Leute durch Büffel getötet. Ein Büffel, der schon am Boden lag, hob immer wieder den Kopf und zeigte dabei seine tiefe Schnittwunde am Hals. Schlussendlich waren alle Büffel regungslos. Während die Büffel ohne einen Ton starben, schrien die Schweine fürchterlich. Es war ein grauenhaftes Bild, all die toten Tiere zu sehen. Die Metzger machten sich sogleich daran, die Haut abzuziehen und die Tiere zu zerlegen. Ich habe mir überlegt, ob ich die schrecklichen Bilder im Reisebericht zeigen soll. Schlussendlich habe ich mich dafür entschieden, weil sie einen wichtigen Teil der Kultur der Torajaner abbilden. Für diese Leute ist der Tod kein Grund zum Trauern, sondern bloss ein Übergang zu einem weiteren Abschnitt in der Existenz eines Lebewesens.

Die nächsten zwei Tage mietete ich ein Mountain-Bike und fuhr zu besonders schönen Toraja-Dörfern.

Ke’te Kesu

Das schönste Toraja Dorf ist Ke’te Kesu.

Die Begräbnisstätte von Ke’te Kesu

In einigen Dörfern werden die Toten in Höhlen beerdigt, wo man Schädel und uralte Särge sehen konnte. Andere schnitzen Puppen für die Verstorbenen mit nobler Herkunft, die den Toten gleichen und stellen diese Puppen in Höhlen oder Felsvorsprüngen auf, damit sie die Gräber bewachen und die Nachkommen schützen.

Eine Begräbnisstätte bei der Barindi Höhle

Der Friedhof beim Eingang zur Barindi Höhle

Die Begräbnisstätte beim Dorf Lemo

Geschnitzte Holzfiguren, die nach dem Abbild von Toten geschnitzt sind, wachen über das Dorf Lemo

Anschliessend machte ich mich auf den Weg zu den abgelegenen Togean Inseln. Es dauerte drei Tage mit Bus und Schiff, bis ich dort ankam.

Tentena

Unterwegs machte ich einen Stop in Tentena. Eine der Attraktionen war der Markt, wo tote Fledermäuse verkauft wurden. Mit ihren weit aufgesperrten Mäulern sahen sie furchterregend und eklig aus.

Fledermäuse, denen man die Flügel abgeschnitten hat, werden auf dem Markt von Tentena verkauft

Die andere Attraktionen waren der Besuch eines eindrucksvollen Wasserfalles und eines Strandes am nahegelegenen See. Überraschend war ich am Abend von meinem Motorradfahrer zur Hochzeit seines Cousins eingeladen. Wie in Indonesien üblich nahmen mehreren Hundert Gäste daran teil.

Togean Inseln

Ich verbrachte eine Woche auf den Togean Inseln. Die Inseln sind so abgelegen, dass es keinen Mobiltelefon-Empfang und kein Internet gibt. Deshalb war es auch nicht möglich vorauszubuchen. Die Resorts sind alle sehr einfach und das Essen im Preis inbegriffen, da man keine Möglichkeit hat, an einem anderen Ort zu essen. In meinem Resort Poyalisa gab es Bungalows in drei Kategorien. Die einfachste waren die Bungalows mit separaten Bad, dann die mit integriertem Bad und schlussendlich die mit integriertem Bad und Aussicht. Da die beste Kategorie nur vier Franken teurer war als die einfachste, wollten alle in dieser Kategorie wohnen. Die Neuankömmlinge mussten zuerst mit den einfachsten Bungalows vorlieb nehmen. Da die Leute relativ lange blieben, musste man bis zu einer Woche warten, bis man in die höchste Kategorie wechseln konnte. Leute, die früher abreisten, hatten keine Chance auf die besten Bungalows.

Die Korallen und Fische sind die Attraktion der Togean-Inseln. Tatsächlich habe ich hier sehr vielfältige Korallenriffe angetroffen.

Ein ganz kleiner Teil der Unterwasserwelt um die Togean Inseln

Ein Forsters Korallenwächter (engl. Freckled Hawkfish)

Unberührte Korallen

Nach einer Woche verliess ich die Inseln Richtung Manado, der zweitgrössten Stadt Sulawesi‘s. Zu viert wollten wir per Fähre ab Wakai, dem Hauptort der Togean Inseln, das nördliche Sulawesi-Festland erreichen. Vom Resort reisten wir per Boot zum zwei Stunden entfernten Wakai, doch dort war keine Fähre im Hafen. Die Fähre hatte technische Probleme und konnte nicht auslaufen. Obwohl wir eine Kabine reserviert hatten, war es ohne Mobiltelefonempfang nicht möglich, uns über diese Änderung zu informieren. In Wakai wurde uns gesagt, dass wir ein Schnellboot chartern könnten, das uns zu einer Stadt südlich der Togean Inseln auf dem Sulawesi-Festland bringt. Von dort müssten wir mit einem Auto zu einer zwei Stunden entfernten Stadt fahren, wo eine andere Fähre zu unserem Ziel aufbrechen würde. Mangels Alternativen nahmen wir dieses Angebot an. Verschwitzt und müde erreichten wir abends rechtzeitig die Fähre, doch auf dieser Fähre waren keine Kabinen vorhanden. Meine drei Mitreisenden waren bereit, zwölf Stunden auf dem dreckigen, harten Boden der Fähre die Nacht zu verbringen. Danach waren es weitere zwölf Stunden Busfahrt nach Manado. Da ich wusste, dass es einen Flughafen in einer drei Stunden entfernten Stadt gab und ein Flugzeug am nächsten Tag nach Manado flog, entschied ich mich für den Flug. Schon bald war ich im Hotelzimmer und genoss die erfrischende Dusche.

Am nächsten Tag machte ich mich früh auf den Weg zum Flughafen. Dort angekommen war ich erleichtert, dass ich ein Ticket für meinen Flug kaufen konnte. Nach einer Stunde Flugzeit kamen wir mit einem kleinen Propellerflugzeug in Manado an. Ich verbrachte einen Tag in der Stadt und reiste am nächsten Tag zur nahen Insel Bunaken weiter.

Bunaken

Die starken Wasserströmungen um die Insel Bunaken halten die zahlreich vorkommenden Nährstoffe in einem riesigen Wirbel zusammen. Diese spezielle Kombination ist für die extrem grosse Korallen- und Fischvielfalt verantwortlich, die weltweit kaum von einem anderen Ort übertroffen wird. Die Insel ist daher unter Tauchern bekannt. Aber auch ich als Schnorchler kam auf meine Rechnung. Gleich vor meinen Resort befand sich das interessanteste Riff, das ich je gesehen habe. Wegen den starken Strömungen musste ich die Erkundung des Riffes allerdings ein paar Mal abbrechen.

Knotige Walzen-Seesterne (engl. Horned Sea Star)

Honigwaben-Zackenbarsch (engl. Honeycomb Grouper)

Diese Lippfisch-Art (engl. Wrasse) konnte ich nicht identifizieren.

Alles in allem hat es mir in Indonesien sehr gut gefallen. Die Leute sind freundlich und hilfsbereit. Als westlicher Ausländer hat man einen sehr hohen Status. Ich wurde immer wieder angefragt, ob ich mit Einheimischen für Fotos posieren könne. Einladungen in Privathäuser kann man fast bedenkenlos annehmen, denn es ist eine Ehre für die Familie, wenn ein Westler das Haus besucht. Leider ist das längst nicht in allen Ländern gefahrlos möglich.

In Indonesien gibt es kaum Fixpreise. Wer hier nicht handelt, zahlt oft das Doppelte oder noch mehr. Sogar die Übergepäckkosten am Flughafen konnte ich runterhandeln.

Es ist schade, dass Indonesien‘s Regenzeit auf den Europäischen Winter fällt. Die Ausnahme sind die Molukken und die Insel Papua. Vielleicht besuche ich nächsten Winter diese Gebiete.

Alles in allem war meine siebenmonatige Reise auf die Philippinen, Nepal, Thailand, Malaysien, Brunei und Indonesien ohne unliebsame Zwischenfälle zu Ende gegangen. Es ist erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. Langweilig wurde es mir jedenfalls nie. Nun freue ich mich auf den Schweizer Sommer.