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Chile – Atacama Wüste bis Puerto Montt

November 2017 – Januar 2018

Im Reisebericht meiner vorherigen Chile-Reise im Jahr 2014 sind Beschreibungen über Santiago und San Pedro de Atacama enthalten, die ich nicht wiederhole. Es lohnt sich daher, diesen noch einmal anzuschauen. Er kann mit dem untenstehenden Link geöffnet werden.

Reisebericht Chile 2014: Santiago, Antofagasta, San Pedro de Atacama, Besteigung des Lascar Vulkans, Chuquicamata Kupfermine, Iquique, Geoglifos de Pintados, Arica, Lauca-Nationalpark (Piranacota, Besteigung des Berges Guane Guane)

Siehe auch meinen Reisebericht über die Chile-Reise 2009 nach Patagonien (Torres del Paine Nationalpark), eine Kreuzfahrt von Puerto Nataes nach Puerto Montt und einen Besuch der Insel Chiloe

San Pedro de Atacama

Die Fahrt von Purmamarca in Argentinien über den 4‘200 Meter hohen Jama Pass nach San Pedro de Atacama ist eine der schönsten Busfahrten überhaupt. Sie führt an kilometerlangen Salzebenen vorbei, an Lagunen und Bergen in den verschiedensten Farben sowie an 6‘000er Vulkanen. Die weidenden Vikunjas, eine Kamelioden-Art, sind eine weitere Bereicherung.

San Pedro de Atacama hat sich seit meinem Besuch vor drei Jahren kaum verändert. Es sind noch die gleichen Restaurants angesagt. Obwohl viele Touristen das Dörfchen besuchen, sind keine hässlichen Hotelbauten zu finden. Die neueren Unterkünfte befinden sich an der Peripherie und sind ebenfalls im Oasenstil erbaut. Ich wohnte im gleichen Landhaus wie vor drei Jahren. Mein Gastgeber hat seine Zimmer weiter ausgebaut, ohne (für mich) die Preise zu erhöhen.

Letztes Mal habe ich einige Touren mitgemacht, um die weiter entfernten Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Da ich kein Fan des organisierten Reisens bin, wollte ich mich dieses Mal ausschliesslich auf Gegenden konzentrieren, die ich selbst erreichen kann.

Valle de la Luna

Als erstes besuchte ich mit dem Velo das Valle de la Luna, eine fantastische Gegend. Obwohl dieses Gebiet auch von Touren besucht wird, ist es einfach, den Gruppen zu entkommen. Unterdessen kenne ich viele Wanderwege, auf denen man die Schönheit der Gegend ungestört geniessen kann. Es gibt auch eine kleine Höhle zu entdecken.

Einfach grossartig!

Beim zweiten Besuch blieb ich bis zum Sonnenuntergang …

Astronomen-Tour

Dank der extrem trockenen Luft, sehr selten auftretenden Wolken und der Abwesenheit von Luft- und Lichtverschmutzungen eignet sich die Atacama-Wüste hervorragend zur Sternenbeobachtung. Verschiedene Institutionen betreiben in der Gegend Observatorien. Atacama Large Millimeter Array (ALMA), das größte Radioteleskop der Welt, ist hier zu finden. Das weltweit grösste optische Teleskop, das European Extremely Large Telescope (E-ELT), ist im Bau. Daher war klar, dass ich hier an einer Sternenbeobachtungs-Tour teilnehme. Ein Astronom führte die Tour, der lieber den Touristen die Sterne näher bringt als in einer grossen Organisation zu arbeiten. Mit einem Laserpointer zeigte er den Teilnehmern die Himmelsobjekte. Wir sahen die Internationale Raumstation ISS am Himmel vorbeiziehen, unzählige Sternschnuppen, das in der südlichen Hemisphäre zu sehende „Kreuz des Südens“, der helle Stern Sirius, die Magellanschen Wolken und die Planeten Venus, Mars und Jupiter. Danach konnten wir durch die bereitgestellten Teleskope einen Blick auf ausgewählte Himmelsausschnitte werfen.

Dieses Bild des Mondes nahm ich mit meiner Kamera durch ein Teleskop auf.

Meine längste Velotour führte über 65 km zur Laguna Cejar und Laguna Tebinquiche und zurück.

Quebrada de Chulacao

Ein Päärchen hat mir von einer Wanderung durch die Quebrada de Chulacao zum Dörfchen San Isidro erzählt. Diese Gegend in der Nähe von San Pedro de Atacama  wird kaum besucht, da das Tal nur zu Fuss oder per Mountain-Bike erreicht werden kann und daher keine Touren angeboten werden. Wie die Fotos zeigen, war diese Wanderung ein Höhepunkt meiner Atacama-Reise.

Der Weg führte mehrere Male durch kleine Tunnel, die durch die feuerroten Steine gebildet wurden.

San Isidro

Gegen 2 Uhr nachmittags erreichte ich das Dörfchen San Isidro mit seiner schneeweissen Kirche.

Ich wollte gerne etwas essen, doch der Ort schien wie ausgestorben. Zurück nach San Pedro nahm ich einen direkteren, schnelleren Weg. Hungrig peilte ich bei meiner Ankunft als erstes ein Restaurant an.

Santiago de Chile

Anschliessend flog ich in die Hauptstadt Santiago de Chile, wo zwei Termine in meinem Kalender vermerkt waren. Der erste und dringendere war der Besuch beim Samsonite Repair Center. Beim weniger als einem Jahr alten Samsonite Koffer löste sich am Scharnier immer wieder eine Schraube. Mit einem Bus fuhr ich fast eine Stunde in die Industriezone Santiagos. Es war eine interessante Erfahrung, eine andere Seite dieser Stadt kennen zu lernen. Der Koffer wurde innert kürzester Zeit fachgerecht repariert.

Der zweite Termin war der Besuch bei einem der besten Restaurants in Südamerika gemäss der Pellegrino-Klassifizierung: Dem Boragó als Nr. 5 im Jahr 2017. Ich war schon im Januar 2016 dort und war begeistert. Ich war beeindruckt von der Kreativität dieser Küchenmannschaft und von den dazu servierten Weinen. Es waren die besten Chile’s, die nur über Beziehungen erhältlich sind. Umso mehr freute ich mich auf diesen Besuch. Doch dieses Mal war es eine Enttäuschung. Das Boragó will sich weiter verbessern und hat sich das besser klassifizierte Restaurant Central in Lima, Peru zum Vorbild genommen. Ich war schon zwei Mal im Central und war nicht begeistert. Wie im Central sind nun auch endemische Nahrungsmittel Teil des Menus und alles wird auf Steinen präsentiert. Die Weine sind nicht mehr die besten Chile’s, sondern spezielle Gewächse, von denen ich keinen einzigen kaufen würde. Einige Gerichte waren immer noch ein Erlebnis, aber die unpassenden Weine und der offensichtliche Versuch, das Central in Lima zu kopieren, enttäuschten mich. Ich werde nicht mehr wieder kommen. Die Bilder meiner beiden Besuche im Boragó sind unter diesem Link zu sehen.

Sky Costanera

Der Gran Torre Santiago im Geschäftsviertel Providencia ist mit rund 300 Metern das höchste Gebäude Südamerikas. Dieses Mal stattete ich der Aussichtsplattform „Sky Costanera“ in den beiden obersten Stockwerken 61 und 62 einen Besuch ab.

In meinem Lieblingshostel in Santiago plante ich die Weiterreise Richtung Süden. Die Managerin Caroline machte mich auf das abgelegene Cochamo-Tal bei Puerto Montt aufmerksam, das ich unbedingt besuchen sollte.

Colchagua Weingebiet

Mein erstes Ziel war das Weingebiet Colchagua mit dem Hauptort Santa Cruz, rund 180 km südlich von Santiago. Die verschiedenen Weingüter besuchte ich mit dem Velo.

Colchagua Museum

In diesem kleinen Städtchen befindet sich das sehenswerte Colchagua Museum, das grösste Privatmuseum Chiles. Es besteht aus der  beeindruckenden Privatsammlung des umstrittenen Unternehmers und mutmasslichen Waffenhändlers Carlos Cardoenaus. Die Sammlung umfasst präkolumbianische Keramik aus ganz Lateinamerika, Waffen, religiöse Artefakte, Mapuche-Gold und -Silber sowie einen ganzen Raum mit Huasos (Cowboy)-Ausrüstung. Zudem zeigt es Objekte, Filme und Fotos der Rettung der 33 Bergleute, die im Oktober 2010 in einer Miene in 700 m Tiefe eingeschlossen waren und weltweit für Schlagzeilen sorgten.

Clos Apalta Weingut

Gleich zu Beginn buchte ich ein Mittagessen beim Premium Weingut von Lapostolle, dem Clos Apalta. Es ist ein wunderschönes Anwesen, das auch luxuriöse Übernachtungsmöglichkeiten anbietet. Der viergängige Lunch war ausgezeichnet. Ich entschied mich, auch ein Glas des Top-Weines Clos Apalta zu probieren. Es war ein intensiver, tanninreicher Rotwein. Ab Weingut wird eine Flasche für ca. CHF 150 verkauft. Alexandra Marnier Lapostolle, Urenkelin des Erfinders von Grand Marnier, ist hier die treibende Kraft. Daher wurde am Schluss des Essens ein Grand Marnier ausgeschenkt. Ein weiterer Genuss!

Die Aussicht von meinem Tisch auf die Terrasse des Restaurants.

Jede Gäste-Villa hat einen eigenen Swimming-Pool.

Am nächsten Tag radelte ich zum Weingut Viña Viu Manent, dessen Restaurant auf Masse ausgerichtet ist.

Montes Weingut

Einen Tag darauf war das Weingut Montes an der Reihe, eine moderne Anlage mit einem attraktiv aussehenden Restaurant, das auf dem Bild hinter der Fahne in der Mitte zu sehen ist. Leider wurde das Steak zusammen mit dem Salat in einem Teller serviert. Die Salatsauce verteilte sich auf dem Teller und ruinierte sowohl das Fleisch wie den Wein. Mit dem Salatsaucen-Geschmack im Mund schmeckt der beste Wein nicht mehr. Ein unverzeihlicher Fehler in jedem Restaurant und erst recht auf einem Weingut, das seine Weine präsentieren möchte. Auch hier kosten die Top-Weine über CHF 100 pro Flasche.

Neyen Weingut

Montgras Weingut

Das Weingut Montgras gefiel mir sehr. Einerseits war die Führung sehr informativ, andererseits produziert Montgras sehr gute Weine zu nicht billigen, aber vernünftigen Preisen. Bei der anschliessenden Degustation herrschte eine gute Stimmung und die Gruppe konnte weitere Weine probieren, die sonst nicht ausgeschenkt werden. Ich sass am Tisch neben einem interessanten Chilenen, der mir für meine weitere Chile-Reise wertvolle Tipps gab. Unter anderem erwähnte er ebenfalls das Cochamo-Tal als ein Trekking-Highlight in Chile.

Meine drei Lieblingsweine aus dem Colchagua-Gebiet. In der Mitte der Top-Wein Intriga von Montgras, rechts ein Carmenere von Montgras‘ zweitbester Linie Antu. Links ein Wein der kleinen Weinkellerei Las Ninâs, bei dem die seltene Traubensorte Mourvèdre eingemischt wurde. Mischungen mit dieser Traubensorte ergeben schwere Weine, wie ich sie liebe.

Laguna del Laja National Park

Die nächste Station auf meiner Reise Richtung Süden war der 450 km entfernte Laguna del Laja National Park. Im Reiseführer las ich, dass es ohne eigenes Fahrzeug schwierig ist, diesen Park zu besuchen. Das letzte Dorf mit Hotels war 30 km vom Park entfernt. Ich hoffte, andere Touristen zu finden, mit denen ich ein Auto teilen konnte, aber es schien, dass ich der einzige Besucher war. Eine Familie, deren Haus sich auf halbem Weg zum National Park befand, bot via Airbnb eine Übernachtungsmöglichkeit an. Der Mann stellte sich als Sprössling von Schweizer Auswanderern heraus, der zwar kaum Deutsch sprach, aber doch den Schweizer Pass besitzt. Er war über ein Jahr bei Verwandten in der Schweiz. Ihn hat vor allem beeindruckt, dass er als Schweizer Bürger in Zürich finanzielle Unterstützung erhielt. Aber seine Heimat ist Chile. Und so lebt er nun mit seiner Frau und einem Kind ein beschauliches Leben in der Natur. Er organisierte für mich ein Auto mit Fahrer, denn sein Bruder hatte gerade keine Arbeit und begleitete mich gerne in den National Park, der vom Antuco Vulkan dominiert wird. Im Sommer ist es sehr ruhig in der Gegend. Ich war überrascht, als mein Gastgeber mir erzählte, dass im Winter das Skigebiet unzählige Chilenen anzieht. Zimmer müssen dann Monate im voraus gebucht werden und auf der engen Hauptstrasse bilden sich kilometerlange Staus.

Ein kleines BBQ für zwei Personen

Das Skigebiet am Vulkan Antuco

Wanderung zur Laguna Los Condores

Der Antico Vulkan auf der Wanderung zur Laguna Los Condores

Reserva Nacional Malacahuello

Mein nächstes Reiseziel war das Reserva Nacional Malacahuello, ein selten besuchte Reservat, in dem Araukarien-Wälder häufig sind. Dieser Baum bildet schuppenartige, harte Blätter, die viele Jahre überdauern.

Die Tageswanderung zum Fuss des Vulkans Lonquimay war eine der schönsten meiner Chile-Reise.

Vulkan Lonquimay

Conguillío National Park

Auch der Conguillío National Park kann nur mit eigenem Fahrzeug erkundet werden. Ich reiste zum kleinen Städtchen Curacautin und sprach auf dem Hauptplatz Taxifahrer an, ob sie mich am folgenden Tag in den Nationalpark fahren und abends wieder abholen würden. Am nächsten Morgen früh wartete der Fahrer bereits vor dem Hotel. Die Strasse war eine Schotterpiste, über die der Fahrer eher flog als fuhr. Unterwegs nahmen wir ein israelisches Paar mit, das zu Fuss unterwegs war und zur 34 km entfernten Laguna Captren wollte.

Die Laguna Captren – ein magischer Ort!

Ein paar Kilometer weiter startete ich meine Wanderung zum Berg Sierra Nevada. Der Aufstieg bot immer wieder atemberaubende Aussichten auf den Laguna Conguillío-See.

Vom Ziel, dem Mirador Cumbre auf 1’400 m Höhe, geniesst man eine grossartige Aussicht auf den Laguna Conguillío-See und den 3’125 m hohen Vulkan Llaima. Er ist einer aktivsten in Chile. Das letzte Mal brach er 2009 aus.

Auf meinem Weg Richtung Süden besuchte ich als nächstes Pucon. Es ist ein touristischer Ort mit hochstehenden Restaurants und unzähligen Tour-Anbietern und Hotels und Hostels. Im Gegensatz zu meinen vorigen Destinationen ist die Gegend um Pucon dank den vielen Touristen sehr gut mit Bussen erschlossen. Trotzdem war ich auf den Wanderungen wieder fast alleine unterwegs.

Huerquehue National Park

Am nächsten Tag unternahm ich mit einer Schweizerin, die in einem Hostel einen Freiwilligeneinsatz absolvierte, eine Wanderung in den National Park Huerquehue. Der Park enthält einige idyllische Bergseen.

Eine Eidechse wärmt sich an der Sonne.

Vulkan Villarica

Als ich hörte, dass man den 2’840 Meter hohen Vulkan Villarica besteigen kann, war die Entscheidung schnell gefallen. Mit dem 5’895 Meter hohen Kilimanjaro oder dem 5’592 Meter hohen Lascar Vulkan in Nordchile hatte ich schon weit höhere Vulkane bezwungen. Ein Tschechisches Päärchen machte mich auf den besten Tour-Operator aufmerksam. Da das Wetter perfekt war, buchte ich die Tour gleich für den nächsten Tag. Die gesamte Ausrüstung inklusive Jacke, Windhosen, Steigeisen, Handschuhe, Pickel, Gasmaske und einen Plastikschlitten wurde zur Verfügung gestellt. Am Vorabend war die Anprobe der Kleider. Früh morgens fuhren wir mit dem Bus zum Fuss des Vulkans. Wir montierten gleich die Steigeisen, da wir von Anfang an auf Eis aufstiegen. Nach ungefähr drei Stunden erreichten wir den Kraterrand, von dem sich eine grossartige Sicht auf den Villarica-See und die umliegenden Berge bietet.

Am Schlund des Vulkans. Die Gasmaske war notwendig, denn der Wind blies die bissigen Schwefelgase teils in unsere Richtung und machte das Atmen ohne Maske unmöglich.

Obwohl der Vulkan einer der aktivsten in ganz Südamerika ist – 2015 fand die letzte starke Eruption statt – war es für mich die bisher einfachste Vulkanbesteigung.

Wahrend der Aufstieg drei Stunden dauerte, sausten wir mit dem Plastikschlitten in vorpräparierten Schneebahnen in 30 Minuten zu unserem Ausgangspunkt zurück. Das machte Spass!

Eine weitere Wanderung führte mich ins Santuario El Cani. Nach einer vierstündigen Wanderung erreicht man einen Aussichtspunkt mit Sicht auf Berge und Vulkane. Leider war es an diesem Tag bewölkt, so dass ich kein sehenswertes Foto schiessen konnte.

Valdivia – Brauerei Kunstmann

Auf meiner Chile-Reise sind mir die Biere der Brauerei Kunstmann immer wieder begegnet. Obwohl die Brauerei stark gewachsen ist und ihre Biere unterdessen auch in Argentinien verkauft, konnte sie das Image des kleinen Spezialitäten-Herstellers mit höchsten Qualitätsstandards aufrecht erhalten. Daher war klar, dass ich Valdivia, die Bier-Hauptstadt Chile’s, besuchen würde. Die Brauerei bietet interessante Touren an. Ich war überrascht, dass die Brauerei erst in den 1990er Jahren als Diversifikation zum angestammten Geschäft gegründet wurde. Vor Ort lassen sich über 20 verschiedene Biere degustieren. Das Honig-Bier war mein Favorit.

Valdivia bietet noch viel mehr. Die Stadt liegt am Zusammenfluss mehrerer Flüsse und befindet sich etwa 10 km vom Meer entfernt. Die Bootstour zum Ort Corral auf dem Flusssystem um die Stadt war ein Erlebnis. Wir fuhren an Schilfzonen und Wäldern vorbei und besuchten ein Fort aus der Zeit der spanischen Kolonialzeit.

Die Stadt ist stark deutsch geprägt. Um die Besiedlung des Süden Chile’s zu intensivieren, initiierte die Regierung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine aktive Einwanderungspolitik, die sich auf Deutsche Einwanderer konzentrierte, da die klimatischen Verhältnisse jenen in Deutschland ähnlich sind. Tausende entschieden sich für die Reise nach Chile. Darunter waren nicht nur arme Bauern, sondern auch gebildete politische Flüchtlinge und Kaufleute. Die politischen Umwälzungen in Europa zu dieser Zeit motivierten Auswanderungswillige zusätzlich.

Anschliessend wollte ich den Puyehue National Park besuchen, doch Regen und Nebel vereitelten diesen Plan. Nach der Prüfung der Wettervorhersage in verschiedenen Gebieten entschied ich mich, die Reise nach Bariloche, Argentinien vorzuziehen. Den Reisebericht über diese Gegend findest Du hier.

Zurück von Argentinien fragte mich der Chilenische Grenzbeamte beim Kontrollieren meines Passes, was ich in Chile machen werde. Ich erwähnte, dass ich im Cochamo-Tal wandern werde. Sofort erhellte sich seine Miene und er erzählte, dass er auch schon dort war und er mir das Tal sehr empfehlen kann. Ich war nun umso mehr gespannt, was mich dort erwartet.

Puerto Montt

Ausgangspunkt für meine Reise ins Cochamo-Tal war die Hafenstadt Puerto Montt. Einziger Höhepunkt waren die Fisch- und Meeresfrüchte-Gerichte.

Cochamo

Früh morgens fuhr der Bus die 110 km von Puerto Montt zum Dörfchen Cochamo.  Ein Minibus wartete bereits und brachte mich die letzten sechs Kilometer auf einer Schotterstrasse zum Start der Wanderung. Damit das Tal nicht von Besuchern überrannt wird, musste die Reservation der Unterkunft hier vorgewiesen werden. Die meisten übernachteten auf den Zeltplätzen. Ich habe mich für die Cochamo-Lodge entschieden, ein gemütliches Holzhaus mit mehreren Zimmern. Alle Zeltplätze und die Lodge befinden sich im 5 Stunden Wanderung entfernten La Junta.

Blick von La Junta auf umliegende Berge. Nun wird klar, wieso das Cochamo-Tal mit dem Amerikanischen Yosemite-Nationalpark verglichen wird.

Anfiteatro

Am nächsten Tag unternahm ich eine Wanderung zum Anfiteatro. Es war ein extrem steiler 3-stündiger Aufstieg, bei dem man Bäche auf Baumstämmen überquerte und grosse Wurzeln den Weg durchzogen. Alles in allem war die Wanderung wegen der Wildheit der Natur viel schwieriger zu bewältigen, als ich das aus der Schweiz gewohnt war.

Dieses Bild zeigt die Aussicht vom Anfiteatro auf die gegenüberliegende Talseite zum Berg Arco Iris, den ich am übernächsten Tag besuchte. Das Anfiteatro befindet sich am Ende eines Tales, das auf drei Seiten von steilen Felswänden umgeben ist.

Am dritten Tag war der Himmel wolkenverhangen und es regnete teilweise, so dass ich mich in der Lodge mit anderen Besuchern unterhielt oder Bücher lies. Das Buch „Der Da Vinci Code“ war sehr spannend.

Arco Iris

Mit einer Gruppe anderer Wanderer nahm ich tags darauf die noch schwierigere Wanderung zum Aussichtspunkt des Berges Arco Iris unter die Wanderschuhe. Der Weg war noch steiler als der zum Anfiteatro. Teils benutzte ich die zur Verfügung stehenden nassen Seile, um mich hoch zu hangeln. Es war wohl die anspruchsvollste Wanderung, die ich je gemacht hatte. Wir versuchten, auch den zweiten Aussichtspunkt zu erreichen, aber zu viel Schnee verunmöglichte unser Unterfangen. Die Aussicht auf das Anfiteatro und weitere Berge und Täler war sicher toll. Es ist aber mehr der Weg und die Bestätigung, dass man diese Wanderung geschafft hat, die sie speziell macht.

Blick auf das Anfiteatro auf dem Weg zum Cerro Arco Iris

Puerto Varas

Nach der fünfstündigen Wanderung zurück war ich wieder in der Zivilisation angekommen. Meine letzten Tage im Süden Chile’s verbrachte ich in Puerto Varas, ein gemütliches Städtchen am Llanquihue See, das ich schon von meiner letzten Chile-Reise her kannte. Auch hier war der Einfluss der Deutschen Einwanderer unverkennbar.

Frutillar

Auf einem Tagesausflug besuchte ich das Dörfchen Frutillar, das ebenfalls am Llanquihue See liegt. Besonders stolz sind die Einwohner auf ihren Konzertsaal, der auf dem Foto rechts zu sehen ist. Das Deutsche Kolonial-Museum zeigte auf eindrückliche Weise, wie schwierig die Zeit der Kolonialisierung war.

Aqui esta Coco Restaurant in Santiago de Chile

Die letzten beiden Tage verbrachte ich in der Hauptstadt Santiago de Chile, wo exzellente Restaurants zu finden sind. Ein Höhepunkt war sicher das Meeresfrüchte-Restaurant Aqui esta Coco, eines der ältesten in Santiago. Zur Vorspeise empfahl mir der Kellner Abalonen. Ich hatte keine Ahnung, was das sein könnte und fragte ihn aus. Ist es ein Fisch? Eine Muschel? Eine Krebs? Ein Aal oder eine Wasserschlange? Der Kellner verneinte jedes Mal. Jetzt war mein Interesse erst recht geweckt und ich bestellte diesen Gang. Die Abalonen stellten sich als Meeresschnecken heraus, die eine feste Konsistenz aufwiesen. Im Deutschen heissen sie Seeohren oder Meerohren. Man lernt nie aus.

Damit geht eine eindrückliche neunwöchige Reise über mehr als dreitausend Kilometer zu Ende. Nach einer Woche in der Schweiz verbringe ich die nächsten sieben Wochen in Thailand.