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Philippinen: Busuanga Archipel, Walhaie in Donsol, der bergige Norden, Kreuzigungen in San Fernando, Boracay

Februar – Mai 2011

Busuanga Archipel

Auf meiner diesjährige Philippinen-Reise besuchte ich als erstes den Busuanga Archipel mit dem Hauptort Coron. Es ist eines meiner Lieblingsziele auf den Philippinen. Die Inselgruppe liegt halbwegs zwischen Manila und Palawan‘s Hauptinsel und besteht auf unzähligen kleinen Inseln mit vorgelagerten Korallenriffen und einsamen Stränden.

Hinter dem Städtchen Coron ist links auf dem Bild der 210 Meter hohe Mount Tapyas zu sehen.

Er bietet eine tolle Sicht über einige Inseln des Busuanga Archipels. Vor allem bei Sonnenuntergang ist die Aussicht grandios.

Zu viert haben wir für vier Tage ein Boot gemietet. Der Bootsführer und seine Crew begleiteten uns und sorgten für unser Wohl. Wir verbrachten unvergessliche Tage und Nächte.

Unser Führer Betan

Glasklares Wasser

Meine ersten Versuche mit einer Unterwasserkamera

Diese Krebse waren ein Teil eines Mittagessens

Abends genossen wir an einsamen Stränden überraschend gutes Essen und tranken am Lagerfeuer bis in die Nacht hinein. Wir übernachteten in Zelten direkt am Strand.

Eine der Nächte verbrachten wir auf South Malbinchilao. Im Hintergrund unser Boot

… am Morgen den Sonnenaufgang beobachten: Ein grandioses Erlebnis

Tags durch tuckerten wir von Insel zu Insel, unterbrochen durch Schnorchelausflügen und weiteren einsamen Stränden. Mit der neuen Unterwasserkamera konnte ich erstmals all die exotischen Fische und Korallen filmen. Es gibt auch ein paar Resorts in der Gegend, denen wir einen Besuch abstatteten. Einfach paradiesisch.

Zurück in Coron holte uns der philippinische Alltag ein. Mein Schweizer Kollege Dani in Coron erzählte mir, wieso die Stromunterbrüche nun so zahlreich sind und viel länger dauern als früher. Der Direktor des lokalen Elektrizitätswerk ist mit einer Million Dollar geflohen. Nun ist halt nicht mehr genügend Geld für den Kauf von Brennstoff für die Generatoren vorhanden. Auf Provinzebene haben Politiker ein Gasfeld und ein Elektrizitätswerk an die Chinesen verkauft und natürlich dafür gesorgt, dass vom Verkaufspreis etwas für sie persönlich abfällt. Nach der Privatisierung müssen die Konsumenten nun halt tiefer in die Tasche greifen.

Zudem sind zwei ex-Gouverneure und ein Bürgermeister von Palawan im Gefängnis, nachdem ein von ihnen beauftragter Killer den Mord an einem unbequemen Journalisten vom 24. Januar 2011 gestanden hat. Unter anderem hat der Journalist die Veruntreuung von Geldern aus dem Gasfeld-Projekt aufgedeckt. Er hat sich auch gegen Minenprojekte aufgelehnt, von denen die Politiker profitierten. Der Lohn des Killers war 3‘500 Dollar. So läuft das auf den Philippinen.

Donsol – Schwimmen mit den Walhaien

Letztes Jahr war ich so begeistert von den Walhaien, dass ich sie dieses Jahr wieder in Donsol besuchte. Es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis, mit diesen imposanten Fischen zu schwimmen, den grössten auf Erden.

Mit dem riesigen Maul nehmen die Walhaie Plankton auf.

Die Provinz Albay und ihre Hauptstadt Legaspi

Der Vulkan Mayon ist eine weitere Attraktion in der Provinz Albay. Mit seiner gleichmässigen Kegelform thront er über der Stadt Legaspi. Er ist mit 49 Eruptionen in den letzten 400 Jahren der gefährlichste Vulkan auf den Philippinen. Bei einem Ausbruch im Jahr 2006 hat der Vulkan eine grosse Menge Lava und Asche ausgeworfen. Als ein paar Monate später ein Taifun über die Gegend zog, bildeten sich Asche-Schlammlawinen, die über 1‘200 Menschen unter sich bedeckten. Ganze Dörfer wurden dabei zerstört. Der schlimmste Ausbruch fand jedoch 1814 statt. Damals kamen ca. 2‘000 Menschen ums Leben und die Gegend wurde mit einer 9 Meter hohen Ascheschicht bedeckt. Zudem regnete es grössere Lavabrocken. Ein paar Hundert Menschen starben, als sie in der Kirche von Cagsawa, einem Dorf in der Gegend, Schutz suchten. Heute sind noch Teile des Kirchenturmes und der Fassade erhalten.

Der Vulkan Mayon mit der durch Ausbruch von 1814 zerstörten Kirche von Cagsawa

Am 11. März 2011 bebte in Japan die Erde. Auch meine Freunde und ich waren betroffen, da wir uns in der Küstenstadt Legaspi befanden. Es wurde eine Tsunami-Warnung ausgegeben und wir mussten mehrere Stunden im 2. Stock des Hotels bleiben. Später wurde die Warnung aufgehoben. Trotzdem war die sonst quirlige Stadt an diesem Abend wie ausgestorben.

Wie jedes Jahr wollte ich im Süden der Philippinen eine einsame Fischerinsel besuchen. Doch anhaltend schlechtes Wetter machte diesem Plan einen Strich durch die Rechnung. Das diesjährige La Nina-Wetterphänomen brachte vor allem im Süden Regen und viele Wolken. Deshalb beschloss ich, einen Schweizer Kollegen in Cebu zu besuchen, der zweitgrössten Stadt auf den Philippinen. Leider verbesserte sich das Wetter im Süden nicht, so dass ich entschied, das erste Mal den bergigen Norden zu besuchen, wo der Volksstamm der Ifugaos zu Hause ist.

Der bergige Norden

Diese Leute sind einerseits bekannt als Erbauer der weltberühmten Reisterrassen, die um die Gegend von Banaue und Batad besonders eindrucksvoll sind. Andererseits waren sie gefürchtete Kopfjäger und künstlerisch begabte Holzschnitzer. Der Kopfjägerei ging man nach, um Geschicklichkeit und Mut zu demonstrieren und in der Dorfhierarchie aufzusteigen. Dabei wählte man Dorfgemeinschaften als Jagdgründe, die zwei bis drei Tagesmärsche entfernt waren. Man wollte ja keine Verwandten liquidieren. Frauen und Männer waren insofern gleichberechtigt, als der abgeschnittene Kopf einer Frau ebenso viel wert war wie der eines Mannes. Kinder wurden je nach Gegend unterschiedlich behandelt. Während in einigen Gegenden die Köpfe der Kinder gleich abgetrennt wurden, galt in anderen Gegenden das Töten von Kindern als feige. In der Folge wurden diese Kinder in Gefangenschaft aufgezogen, um ihnen dann den Kopf nach dem Erreichen des Erwachsenenalters doch noch abzuschneiden. Die christlichen Missionare konnten schliesslich die Ifugaos überzeugen, die Kopfjägerei aufzugeben.

Baguio ist die grösste Stadt im bergigen Norden

Sagada

Die erste Destination im Ifugao-Gebiet war das Dorf Sagada. Es ist ein wundervolles Dorf, abseits vom Touristenrummel. Trotzdem findet man ein paar Restaurants, die auch einen Gourmet vollends zufriedenstellen. Man kann Wanderungen durch Wälder unternehmen, Höhlen besuchen und Reisterrassen bestaunen. Aber besonders bekannt ist Sagada für die Art, wie die Toten bestattet werden. Leute, die sich ein grosszügiges Leichenmahl für das ganze Dorf leisten können, verheiratet sind und Grosskinder haben, haben das Privileg, in einem „hängendem Sarg“ an einer Felswand oder in einer Höhle bestattet zu werden.

Nur wenige Leute werden in einem hängenden Sarg bestattet.

In einigen Höhlen stapeln sich Hunderte von Särgen. Die Leute schnitzen ihren Sarg vor ihrem Tod selbst. Wenn sie dazu nicht mehr in der Lage sind, macht das einer der Söhne oder ein naher Verwandter. Teilweise werden Knochen gebrochen, damit die Toten in die recht kleinen Särge passen.

Reisterrassen um Sagada

Bontoc

Auf dem Weg nach Banaue passierte ich Bontoc, wo auch ausgedehnte Reisterrassen zu bewundern sind.

Banaue

Als nächstes reiste ich in die Gegend von Banaue, die für die unzähligen, bis 2000 Jahre alten Reisterrassen weltbekannt ist. 1995 wurden sie als UNESCO Welterbe anerkannt. Die Terrassen wurden in mühsamer Handarbeit in jeden einigermassen geeigneten Berghang gegraben, damit ebene Flächen für den Reis- und teils auch für den Gemüseanbau entstanden. Da Reis viel Wasser braucht, mussten die Ifugaos ein weitverzweigtes, aufwändiges Bewässerungssytem entwickeln und unterhalten.

Für die Jungen ist die Landwirtschaft nicht mehr besonders attraktiv. Sie ziehen eine Beschäftigung im Tourismussektor vor, der dank den Reisterrassen entstanden ist. Als Konsequenz daraus werden die Reisterrassen an gewissen Orten schon nicht mehr vollständig unterhalten, was problematisch ist, da die unteren Parzellen vom intakten Bewässerungssystem weiter oben abhängig sind. Zudem haben einige Bauern angefangen, Gitter für die Stützmauerabsicherung zu benutzen, was das Leben der Bauern sicher erleichtert, den optischen Gesamteindruck für die Touristen aber mindert.

Hier werden gegrillte Hühnerköpfe verkauft

Die Ifugaos sind auch sehr begabte Holzschnitzer, wie ein paar Fotos aus einem Museum in Banaue zeigen. Die Statuen wurden für rituelle Zwecke benutzt.

Auf dieser Skulptur konnten die Köpfe der erlegten Feinde aufgespiest und ausgestellt werden.

Mit einer Führerin unternahm ich eine mehrtägige Wanderung nach Kalumbulu und weiter nach Batad, wo die Reisterrassen am eindruckvollsten sind.

Batad

Das Dorf Batad ist von Reisterrassen umgeben

Wir wanderten weiter nach Banga an.

Hier wird das Wasser mittels eines Bambusrohres in ein anderes Feld geleitet.

Von Banga an holte uns der Mann meiner Führerin mit seinem Tuk Tuk ab. Teils mussten wir längere Zeit warten, bis der Bagger die Strasse wieder frei gab.

Vigan

Dann besuchte ich Vigan, nun nicht mehr im Ifugao-Gebiet, sondern an der nordwestlichen Küste in der Provinz Ilocos gelegen. Es war eine lange Busfahrt durch imposante Berggebiete. Der Buschauffeur fuhr nur mit Badeschlarpen an den Füssen. Aber dafür schützen ein Kreuz, eine Statue der Heiligen Jungfrau Maria und eine Aufschrift „Gott, segne diese Reise“ an der Windschutzscheibe.

Vigan hat die besterhaltene historische Altstadt der Philippinen mit alten Handelshäusern, Kopfsteinpflaster-Strassen und Pferdefuhrwerke, die nun für die Touristen fahren.

Abends fand eine religiöse Prozession statt.

Vigan war eine Handelsstadt, lange bevor die Spanier die Stadt entdeckten. Seefahrer und Kaufleute, meist Chinesen, fuhren die Küstenstadt regelmässig an und handelten Waren aus asiatischen Königreichen gegen Gold, Bienenwachs und anderen Produkten, die die einheimische Bevölkerung aus den Berggebieten herstellte. Im 16. Jahrhundert annektierten die Spanier den Norden der Philippinen inklusive der Stadt Vigan.

Ilocos hat den traurigen Rekord, weltweit die Gegend mit den meisten Morden im Verhältnis zur Bevölkerung zu sein. Es ist ein blutiger Kampf um die Kontrolle des Tabakgeschäftes und um den Sitz im Kongress in Manila. Diese Auseinandersetzung begann zwischen zwei Familien und geht in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Einer der Höhepunkte in diesem Konflikt war der Erschiessung des damaligen Kongress-Abgeordneten Crisolongo während einer Messe in der Kirche Vigan‘s. Seine Frau hatte mehr Glück. Sie überlebte mehrere Attentate. Der Gegenspieler Singson wurde nach dem Mord an Crisolongo zum Kongressabgeordneten gewählt. Auch er überlebte mehrere Attentate. Eines nur darum, weil er mit einer dicken Frau tanzte und diese dann Opfer der Schüsse wurde und ihn so schützte. Auch der damalige Präsident Marcos kam aus Ilocos.

San Fernando – Kreuzigungen

Am Karfreitag schaut die Weltöffentlichkeit auf San Fernando, ein kleines Städtchen nördlich von Manila. Dort wird die Geschichte Jesu während der Karwoche mit Laienschauspielern nachgespielt. Der Höhepunkt ist natürlich die Kreuzigung. Ruben Enaje, ein 50-jähriger Maler, spielt schon zum 25. Mal Jesus. Und jedes Mal lässt er sich von den römischen Soldaten mittels 12 cm langen Nägeln durch die Hände ans Kreuz schlagen. Er dankt damit Gott, dass er einen Sturz aus dem dritten Stock eines Hauses unverletzt überstanden hat. Zudem betet er für neue Malerarbeiten. Anschliessend lassen sich zwei weitere Männer ans Kreuz nageln. In den Anfängen wurde das Passionsspiel ohne echte Kreuzigungen durchgeführt. 1962 liess sich Artemio Anoza, ein selbsternannter Geistheiler und religiöser Führer, das erste Mal kreuzigen. Seitdem lebt die Kreuzigungstradition fort.

Viele junge Männer peitschen sich selbst stundenlang mit Bambusstäben auf den Rücken. Einige benutzen sogar Glassplitter und Rasierklingen. Entsprechend sind ihre Rücken mit Blut überströmt und die Haut abgewetzt. Die Heilung dauert bestimmt mehrere Wochen. Die einen wollen Sünden bereuen, andere beten für Kranke oder wollen sich damit zu einem besseren Leben verhelfen.

Boracay

Zum Abschluss der Reise verbrachte ich eine Woche in Boracay, der bekanntesten Insel der Philippinen. Knapp nach der Osterzeit war fast alles ausgebucht. Trotzdem behielt die Insel ihren Charme. Der Strand ist einer der schönsten auf den Philippinen. Die Sonnenuntergänge, gutes Essen, das Nachtleben und eine internationale Atmosphäre machen Boracay einzigartig.

 

Meine nächste Destination sind die Fiji Inseln.