November / Dezember 2025
Schon seit mehreren Jahren war ein Besuch bei den Bergorillas auf meiner Reiseliste. Da meine Winterreise mit Tunesien in Afrika startete, entschied ich mich, meine ganze siebenmonatige Reise auf dem afrikanischen Kontinent zu verbringen und dabei auch die Gorillas zu besuchen. Neben Uganda können diese Tiere auch in Ruanda bestaunt werden, doch ist die staatliche Genehmigung für den Parkbesuch mit USD 700 in Uganda viel billiger als in Ruanda, wo sie USD 1500 kostet. Ich entschied mich daher, die Berggorillas in Uganda zu besuchen. Für eine Person ist dieses Unterfangen teuer, da fixe Kosten für den Führer, den Fahrer und für den Geländewagen unabhängig von der Anzahl Teilnehmer anfallen. Daher publizierte ich ein Reisepartner-Inserat in einer Reisezeitschrift. Schon bald meldeten sich mehrere Leute. Heidi und ihre Kollegin Yolanda hatten ihr Berggorilla-Trekking bereits gebucht und luden mich ein, mit ihnen zu reisen. Eigentlich wollte ich im Dezember nach Senegal und Gambia und erst im Januar nach Uganda. Da die beiden Frauen bereits für den Dezember gebucht hatten, stellte ich meine Reise kurzerhand um und reiste nun von Tunesien direkt nach Uganda.
Ich unterstütze durch eine Kollegin schon längere Zeit eine Schule in Uganda und überlegte mir, diese Schule zu besuchen. Da die Schulferien in Uganda bereits Anfang Dezember begannen und ich erst nach dem Gorillatrekking Zeit für diesen Ausflug hatte, war dieser Besuch leider nicht möglich. Das ist schade, vor allem da sich die Schule im Osten Ugandas befindet und ich diesen Teil nun nicht bereiste.
Inhaltsverzeichnis
Entebbe
Ich traf die beiden Frauen in Entebbe, wo sich der internationale Flughafen befindet. Die Lodge befand sich nicht weit vom Viktoria-See. Mit einer Fläche fast 1.5 Mal so gross wie die Schweiz ist er der grösste See Afrikas.
Von unserem Hotel waren es nur 15 Minuten zu Fuss zum Botanischen Garten, wo viele Pflanzenarten wachsen und auch einige Tiere zu sehen sind.
Botanischer Garten


Eine Rolex ist in Uganda keine Uhr, sondern eine Omelette, die in ein Chapati (ein Flachbrot) eingewickelt ist. Für weniger als 1 Dollar wird man damit satt und sie schmeckt. Ganz am Anfang meiner Reise, noch wenig mit den Preisen vertraut, wurde ich hier aber betrogen, denn der Rolex-Produzent hat mir einen mehr als doppelt so hohen Preis abgeknöpft.

Dieser Marabu, die grösste Storchenart, ist ein Aasfresser und Abfallbeseitiger und hat daher eine wichtige Funktion im Ökosystem.

Drei Königspalmen, die bis zu 40 Meter hoch werden

Auch der Jackfruchtbaum wächst im Park. Eine Frucht kann bis zu 50 kg wiegen. Damit ist sie die grösste und schwerste im Pflanzenreich.

Mabamba Sumpf
Ich las von einem etwa 20 km von Entebbe entfernten Sumpf, in dem der seltene Schuhschnabel-Vogel vorkommt. Kurzfristig konnte ich durch unser Hotel an einem Nachmittag einen Ausflug organisieren. Yolanda kam auch mit, während Heidi sich um die Einlagerung ihres Geländewagens kümmerte. Ein Fahrer brachte uns zu einem Hafen, von dem wir mit dem Schiff im Bild unten Richtung Sumpf starteten.

Unterwegs begegnete uns dieser Fischer.

Am Rand des Sumpfes stiegen wir in ein kleineres Boot um, das durch die engen Wasserkanäle fahren konnte.

Bald ging es mit dem Motor nicht mehr weiter. Nun wurde das Boot mit langen Stangen vorwärts bewegt.


Nach längerem Suchen fanden wir einen Schuhschnabel. Dieser war 8 Monate alt. Im Mabamba Sumpf sollen nur 14 – 18 dieser Tiere leben.
Oberhalb des Flügels hat dieser Vogel einen weissen Sender, der der Wissenschaft dient.


Er ernährt sich hauptsächlich von Fischen. Sieht er einen Fisch, schlägt er blitzartig zu.

Auf unserer Fahrt sahen wir noch weitere Sumpfvögel.



Am nächsten Tag holte uns unser Fahrer für die gebuchte 5-tägige Gorilla- und Schimpansen-Safari ab. Wir fuhren 340 km durch das halbe Land und kamen erst abends in unserer Lodge am Rande des Nationalparks an.
Schimpansen-Trekking im Kibale National Park
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Ein Kleidergeschäft im Dorf Bigodi gleich bei unserer Lodge. Auch hier möchten die Frauen schön aussehen!

Am nächsten Tag kamen wir nach wenigen Kilometer Fahrt beim Tourist Center des Kibale National Parks an. Damit auch die Einheimischen vom Park profitieren, führen sie für Trinkgeld Gesänge und Tänze vor.

Dann wurden wir einer Gruppe zugeteilt. Einige Führer waren bewaffnet, um uns vor allen möglichen Gefahren zu schützen. Die Waffen kamen aber nicht zum Einsatz.

Zuerst sahen wir die Schimpansen hoch auf den Bäumen, aber schon bald kamen sie auf den Boden, wo wir sie aus nächster Nähe beobachten konnten. Diese Tiere sind Menschen gewohnt. Sie kümmerten sich daher nicht weiter um uns, sondern ging ungestört ihren Tätigkeiten nach.


Das Lausen ist eine wichtige soziale Tätigkeit in der Gruppe.



Bigodi Dorf
Am Nachmittag besuchten wir das Dorf. Diese Frau zeigte stolz ihre zum Trocknen ausgelegte Cassava-Ernte.

Anschliessend traten wir in eine Hütte, wo uns die Kaffeeherstellung näher gebracht wurde.
Kaffeebohnen direkt vom Kaffeestrauch


Die verschiedenen Verarbeitungsstadien der Kaffeebohnen

Hier werden die Kaffeebohnen in einer Pfanne über dem Feuer geröstet.

Dann gemahlen und gesiebt

Am gleichen Ort sahen wir auch Vanilleschoten.

Kinder schnitzen und bemalen Holzfiguren, die an Touristen verkauft werden.

Zum Trocknen ausgelegte Kaffeebohnen

Unter Bäumen im Dorf flechten Frauen und ein Mann Untersetzer und Körbe.

Er ist stolz auf sein Werk!


Auch hier schnitzen ein Vater und seine Kinder Holzfiguren.

Am nächsten Tag waren wir ein weiteres Mal den ganzen Tag unterwegs, um die 340 km Richtung Süden zum Bwindi Impenetrable National Park an der Grenze zu Ruanda zurück zu legen. Auf der Fahrt sahen wir diese Pavianenfamilie am Strassenrand.


Unterwegs überquerten wir den Äquator in die südliche Hemisphäre.

Erst beim Eindunkeln erreichten wir unsere Lodge.
Die Aussicht von meiner Terrasse

und am nächsten Morgen

Bwindi Impenetrable National Park
Bereits 1932 unter britischer Herrschaft wurden in dieser Gegend Schutzzonen eingerichtet und laufend erweitert. 1991 erhielt das Gebiet den Status als National Park, was dazu führte, dass das lokale Pygmäenvolk der Batwa den Wald nicht mehr nutzen durfte, was für sie ein grosser Verlust war und zu einer negativen Haltung gegenüber dem National Park führte. Unterdessen hat sich die Situation entspannt, aber an ihren Hütten an sah ich, dass sie unter schwierigen Verhältnissen leben.
Vor unserem Gorilla-Trekking führten diese Batwa-Mitglieder Tänze und Gesänge vor, um Trinkgelder von den Touristen zu erhalten.

Anschliessend wurden die Touristen verschiedenen Gruppen zugeteilt, die je eine Gorilla-Familie besuchten. Der Aufenthalt bei den Gorillas ist auf eine Stunde limitiert, um die Tiere nicht zu sehr zu stören. Zuerst fuhren wir mit unserem Wagen und den Führern des National Parks eine halbe Stunde zum Ausgangspunkt unserer Wanderung.
Unsere Gruppe beim Wandern durch den Dschungel. Eine Frau in der Gruppe hatte grosse Mühe mit Atmen, so dass wir immer wieder Pausen machten. Ich war der letzte in der Reihe und konnte mir Zeit nehmen, um die unscheinbaren Tiere und Pflanzen um uns zu beobachten.



Unsere Führer waren via Mobiltelefon mit den Spähern in Kontakt, die die Gorillas finden mussten. Lange Zeit war unklar, wo sie sich gerade aufhalten, aber dann wurden die Gorillas lokalisiert und wir wanderten dorthin. Schon bald bekamen wir die eindrücklichen Tiere zu Gesicht.
Wir hatten grosses Glück und sahen eine Mutter mit ihrem drei Tage alten Baby!

Der Silberrücken, das Oberhaupt der Gruppe





Die Stunde war viel zu schnell vorbei und wir wanderten tief beeindruckt zu unseren Geländewagen zurück. Die Gorillas sind sogenannt „habituated“, das heisst, dass sie über lange Zeit allmählich an die Präsenz von Menschen gewöhnt wurden. Obwohl wir nur wenige Meter von den Tieren entfernt waren, störte sie unsere Anwesenheit nicht und sie gingen ihren normalen Tätigkeiten nach. Später zeigten mir Touristen ein an einem anderen Tag aufgenommenes Video, das ein Gorilla-Paar sogar beim Baby machen zeigte.
Auf dem Rückweg sahen wir frischen Kot von Waldelefanten.

Anschliessend fuhren wir 80 km zum Bunyonyi See, wo wir mit einem Boot zur Insel Itambira übersetzten und dort übernachteten.
Unser Hotel am nächsten Morgen mit Seeblick

Frühmorgens brachte das Boot uns zurück ans Festland.


Auf der 443 km langen Rückreise überquerten wir den Äquator ein weiteres Mal.
Essen auf dem Äquator

Abends kamen der Fahrer und wir müde im Hotel an. Am nächsten Tag verabschiedete ich mich von meinen beiden Mitreisenden und nahm ein öffentliches Verkehrsmittel nach Kampala, die Hauptstadt von Uganda. Heidi reiste am selben Tag zurück in die Schweiz und Yolanda zwei Tage später. Selbst organisiert ist das Reisen in Uganda sehr billig. Für die 40 km nach Kampala zahlte ich mit dem Bus bloss 1.5 USD.
Kampala
Die grösste Stadt des Landes hat mit ihrem Umfeld rund 7 Millionen Einwohner. Überall sind Menschen und es herrscht reger Verkehr. Das schnellste Verkehrsmittel sind Motorräder, so dass Motorrad-Taxis, Boda boda genannt, allgegenwärtig sind. Oft fahren sie halsbrecherisch, so dass die Safeboda-App entstand. Mit dieser konnte ich vorsichtigere Fahrer bestellen, die eine Fahrausbildung absolvierten und Helme für die Passagiere dabei hatten.
Taxi Park
Ich kam an einer riesigen Station für Minibusse an.

Überall verkauften informelle Händler an den Strassen ihre Waren.

Uganda ist ein sehr fruchtbares Land, wie dieser Marktstand zeigt.

Marktfrauen im grössten Markt Kampalas, dem Owino Markt, setzten sich für ein Foto in Szene.

Dieser Frau kaufte ich Jackfruit-Stücke ab. Im Hintergrund finden sich Wahlplakate der bevorstehenden Präsidentschafts- und Parlamentswahl. Der 81-jährige Yoweri Museveni, der seit 1986 an der Macht ist, gewann auch dieses Mal.

Katanga Slum
Mit einer lokalen Führerin besuchte ich einen Slum mitten in der Stadt. Überall war Abfall und der Bach stank.


Die Leute im Hintergrund trauern um einen Verstorbenen. Im Vordergrund kocht das Leichenmahl.

Unabhängigkeits-Monument
Es wurde am 8. Oktober 1962 eingeweiht, einen Tag vor der effektiven Unabhängigkeit des Landes von Grossbritannien. Es zeigt eine Mutter, die ihr Kind voller Freude in den Himmel streckt. Die Bänder um ihren Körper sollen die Standhaftigkeit symbolisieren.


Shree Sanatan Dharma Mandal Hindu Tempel
Das koloniale Grossbritannien brachte für den Bau der Kenya-Uganda-Bahnstrecke Tausende von Hindus, vor allem aus Indien, nach Westafrika. Doch als sich 10 Jahre nach der Unabhängigkeit der General Idi Amin an die Macht putschte, wurden alle Hindus als Teil der Afrikanisierung des Landes ausgewiesen. Erst 20 Jahre später, nachdem Idi Amin längst abgesetzt war, konnten die Hindus wieder zurück kehren.
Dieser Tempel wurde 1961, noch vor der Unabhängigkeit des Landes, eröffnet.

Eindrucksvoll!

Kampala Old Taxi Park
Ein kleineres Minibus-Terminal ganz in der Nähe des Haupt-Busbahnhofs

National-Moschee
Diese 2007 eröffnete Moschee ist mit einem Fassungsvermögen von 15’000 Gläubigen die grösste in Ostafrika. Der Bau begann 1972 unter dem Diktator Idi Amin, aber musste ab 1976 wegen politischen Instabilitäten unterbrochen werden. Nachdem Idi Amin 1979 abgesetzt wurde, war das Schicksal der Moschee ungewiss. 2001 entschied sich der libysche Machthaber Muammar Gaddafi, das Geld für die Fertigstellung als Geschenk an den islamischen Glauben in Uganda zu spenden. Für mich ist es daher eine Tyrannen-Moschee, aber mein Touristenführer sah es anders und meinte, dass der Bau dieser Moschee das Gute in diesen Leuten zeige.



Das 50.5 Meter hohe Minarett kann bestiegen werden.

Die Aussicht vom Minarett

Baha’i House of Worship
Auf meinen Reisen begegne ich immer wieder Tempeln des Baha’i Glaubens. Der erste Kontakt hatte ich in Haifa in Israel, wo sich das Zentrum dieser Religion befindet. Auch in Santiago de Chile und in Samoa besuchte ich deren Tempel. Der Baha’i Glaube ist auch in Afrika vertreten. Neben Tempel in Kenya und der Demokratischen Republik Kongo gibt es auch einen in Uganda. Zusammen mit dem Garten ist er eine Oase der Ruhe. Hier traf ich eine freiwillige Aufseherin, die schon in Samoa den Tempel dort beaufsichtigte.

Bunyonyi See
Auf meinem Weg Richtung Ruanda fuhr ich mit dem Bus rund 400 km von Kampala zur Stadt Kabale, wo ich übernachtete. Am nächsten Tag erreichte ich mein Ziel, die Insel Itambyra im Bunyonyi See. Ich war schon mit der Tour auf dieser Insel, doch dieses Mal übernachtete ich in einem offenen Bungalow mit Seesicht und hatte mehrere Tage Zeit, die Insel und ihre Umgebung zu erkunden.
Mein offener Bungalow

Blick vom Bungalow auf den See mit meinem privaten Steg


Paradise Eco-Hub, wo ich wohnte. Mein Bungalow war links hinter den Bäumen und ist auf dem Bild nicht sichtbar.

Auf meinen Entdeckungsspaziergängen genoss ich grandiose Aussichten,

sogar mit einer Kuh,

sah ein Entwicklungshilfeprojekt mit Hasen,


bestaunte farbige Vögel,



besuchte die Schule der Insel,

begegnete einem Krebsfänger


und einem Pilzsammler.

An einem Tag unternahm ich mit einem jungen Mann per Boot einen Ausflug auf das Festland, wo wir einen Hügel mit atemberaubender Aussicht bestiegen.



Dabei begegneten wir dieser Familie mit ihren zwei Hasen.

Nach ein paar Tagen auf der Insel brachte mich ein Taxi zum Grenzübertritt nach Ruanda. Die 70 km lange Strecke führte durch wundervolle Landschaften. Mich beeindruckte, wie auch hoch auf den Hügeln gelegene Flächen noch landwirtschaftlich genutzt wurden.

Damit ging meine zweiwöchige Reise durch Uganda zu Ende. Uganda ist ein riesiges Land, von dem ich nur rund einen Drittel im Südwesten bereiste. Armut ist in Uganda weit verbreitet. Die Strassen sind oft voller Schlaglöcher, sodass die Autoinsassen durchgeschüttelt werden. Dies ist die sogenannte ‚Uganda Massage‘. Ich war überrascht, wie häufig ich nach Unterstützung gefragt wurde. Eigentlich bei jeder Begegnung mit Einheimischen kam diese Frage auf, auch von Leuten, von denen man dies nicht erwarten würde wie Wohnungsvermieter, Buskontrolleure, Touristenführer oder Taxifahrer. Oft ging es um die Bezahlung von Schulgeldern, aber einmal wurde ich auch um eine Investition für einen Schweinestall gefragt. Für mich wirkt es beschämend, dass die Leute keine andere Möglichkeit zur Verbesserung ihrer Situation haben, als Fremde anzubetteln.