Dezember 2025
Inhaltsverzeichnis
Nach einem problemlosen Grenzübertritt von Uganda bin ich in Ruanda angekommen. Ruanda ist ein kleines Land. Es hat nur 2/3 der Fläche der Schweiz, aber fast doppelt so viele Einwohner.
Dubiose Gestalten wollten mir an der Grenze teure Taxifahrten aufschwatzen, aber ich fand schnell einen fast leeren Bus, der bei meinem Ziel, dem kleinen Dorf Kinyababa, vorbei fuhr. Der Bus füllte sich schnell.

Üblicherweise nehme ich bei der Ankunft an einem Ort einen Taxi, um zu meiner Unterkunft zu kommen. Hier gab es keine, so dass ich mit zwei Motorrädern weiter reiste, eines für mich und eines für meine Koffer. Dieses Beispiel zeigt ein weiteres Mal, dass ich mit meinen Koffern überall hinkomme.

Ruhondo See
Nach 6 km erreichten wir das Seeufer. Der Kapitän wartete bereits, um mich über den See zur gegenüberliegenden Halbinsel zu bringen, wo sich mein Airbnb-Haus befand.

Abendstimmung

Einer der Vulkane in der Nähe des Sees

Am nächsten Morgen waren die Vulkane wie üblich wolkenbedeckt.

Mein Frühstück im nahen Hotel

Anschliessend machte ich mit einem Führer eine Wanderung auf umliegende Hügel.



Dorf Ruhondo
Wir kamen auch beim nahen Dorf Ruhondo vorbei, wo wir Frauen mit ihren farbigen Gewändern antrafen. Gerne hätte ich mehr Fotos von ihnen gemacht, aber die meisten wollten nicht fotografiert werden.

Ein Mann stellt frittiertes Gebäck her.

Auf dem Markt des Dorfes


Unterwegs begegnete uns dieser Weissschwanz-Blau-Fliegenschnäpper (engl. White-tailed blue flycatcher), der nur in Ostafrika vorkommt.

Aussicht auf den See und die landwirtschaftlich genutzten Hügel




Der Führer hatte bereits ein Boot organisiert, das uns an den Ausgangspunkt brachte.

Zurück im Haus informierte mich mein Gastgeber, das noch am gleichen Tag eine Hochzeit stattfindet, zu der ich als einziger Ausländer auf der Insel als VIP eingeladen sei.
Ruandische Hochzeit
Ich hatte grosses Glück, denn die Teilnahme an der Hochzeit war sehr interessant. Man sagte mir, dass ich hier so viele Fotos machen könne, wie ich wolle.
Hier wird selbstgebrautes Bananenbier aus einem Kanister ausgeschenkt. Mich verschonte man davon und stellte mir ein echtes Bier hin.

Verliebte Blicke des Brautpaars

Die Kinder mustern den weissen Ausländer.

Frauen des Dorfes servieren das Hochzeitsessen.

Das Essen bestand aus Reis, Kartoffel-frittes, Spagetti und Bohnen.

Guten Appetit!

Anschliessend wurde in wilden Bewegungen zu Musik getanzt.



Nach einer grosszügigen Spende für das Brautpaar, war es für mich und meinen Gastgeber Zeit, aufzubrechen. Die Kinder verabschiedeten sich enthusiastisch.

Nach ein paar Tagen verliess ich den Ruhongo See und fuhr mit Motorrädern zur nächsten Stadt mit dem Namen Musanze, die besser bekannt ist unter dem früheren Namen Ruhengeri.
Besteigung des Vulkans Bizoke
Ich machte in dieser Stadt Halt, um den 3’711 Meter hohen Vulkan Bizoke zu besteigen, der noch als aktiv gilt, aber das letzte Mal 1957 ausgebrochen war. Das Permit inklusive Führer kostete USD 75. Ich buchte diese Wanderung, da auch hier Berggorillas leben und es eine kleine Wahrscheinlichkeit gibt, ihnen auf dieser Wanderung zu begegnen.
Unsere Gruppe bestand aus einem weiteren Schweizer und zwei Frauen aus Dänemark.
Der Vulkan von unten

Zuerst wanderten wir durch landwirtschaftlich genutztes Land, wo auch Schafe grasten.


Nun wurde der Weg steil und matschig.
Unser Führer. Wegen möglichen wilden Tieren hatten wir auch noch Begleiter mit Gewehren dabei.

Urwaldsvegetation

Immer steil bergauf

Wir hatten Glück und trafen diese Riesen-Kreuzkrautgewächse (engl. giant groundsels) in der Blüte an. Diese Pflanzen wachsen erst ab einer Höhe von ca. 3400 Meter. Wir hatten es also bald geschafft.


Sogar Orchideen kommen auf dieser Höhe vor.

Dann erreichten wir den Gipfel und sahen den Kratersee nur ganz kurz, bevor er sich hinter dem Nebel versteckte.

Das Gipfel-Monument

Nach einer halben Stunde machten wir uns auf den Rückweg. Kurz vor der Rückkehr überraschte uns ein starker Regen, so dass wir durchnässt bei den Autos ankamen. Der Schweizer hatte ein Auto mit Fahrer dabei und brachte mich freundlicherweise zu meiner Unterkunft zurück.
Am nächsten Tag reiste ich weiter nach Gisenyi am Kivu See. Einer der beiden Motorradfahrer, die mich zur Bus-Station brachten, trug eine offizielle Jacke der Schweizer Ski-Nationalmannschaft, was mich sehr überraschte. Es stellte sich heraus, dass jemand aus dem Schweizer Team diese Jacke in die Kleidersammlung brachte und mein Motorradfahrer sie in Ruanda auf einem Markt kaufte.

Gisenyi am Kivu See
Der Kivu-See ist ein 50 km langer und 42 km breiter See. Etwa 1/3 der Fläche gehört zu Ruanda und 2/3 zur Republik Kongo. Das kleine Städtchen Gisenyi liegt gleich an der Grenze zu Kongo und ist mit der grösseren kongolesischen Grenzstadt Goma zusammen gewachsen.
Am Kivu-See

Am nächsten Tag nahm ich einen Bus dem See entlang zum Dorf Kibuye, von wo ich mit zwei Motorrädern zu meinem idyllisch gelegenen Airbnb-Haus auf der vorgelagerten Halbinsel fuhr.
Kibuye
Meine Unterkunft mit dem treffenden Namen ‚Paradise Nest‘ gehört einem deutschen Vermessungsingenieur, der schon seit 38 Jahren in Afrika arbeitet.


Abends ass ich in einer nahen Lodge mit Sonnenuntergängen und Aussicht auf den See.

Die Lodge organisierte für mich auch eine Bootstour.

Bootstour auf dem Kivu See
Mein Bootsführer

Unser Ziel war die Napoleon Insel. Die Insel erhielt ihren Namen, weil ihre Form aus der Ferne betrachtet an den Hut von Napoleon Bonaparte erinnert. Hier leben tausende, vielleicht sogar zehntausende Frucht-Fledermäuse. Mein Bootsführer und ich wanderten durch den Wald und hörten unaufhörlich die Flügelschläge dieser Tiere.




Auch diesem Riesenwurm begegneten wir.

Aussicht vom höchsten Punkt der Insel

Zurück beim Boot wartete schon ein Affe, der es gewohnt war, von Bootsführern eine Banane zu erhalten.

Château le Marara
Beim Joggen in der Umgebung sah ich plötzlich dieses Märchenschloss auftauchen, nur einen Kilometer vom Dorf Kibuye mit seinen einfachen Hütten entfernt.
Dieses Luxus-Hotel soll einem Ruander gehören, der in Frankreich wohnt und sich von den Schlössern dort inspirieren liess. Das Hotel war gerade geschlossen. Doch neun Tage später an Silvester fand gemäss der Sicherheitsfrau ein Riesenfest statt.

Einige Kinder rannten mit mir mit. Auch hier wurde ich von den Kindern um Unterstützung angefragt. Aber Kindern gebe ich prinzipiell nichts, um sie vom Betteln abzuhalten.
Am nächsten Tag ging es weiter zur Hauptstadt Kigali. Ich legte die 127 km von Kibuye mit dem Bus zurück. Die Fahrt führte durch hügeliges Gelände, so dass sie über 3 Stunden dauerte.
Kigali
Um die Bus-Station herrschte ein Verkehrs-Chaos. Hier riskierte ich es nicht, mit zwei Motorrädern zu meiner Unterkunft zu fahren. Zu gross schien mir die Gefahr, dass der Motorradfahrer mit meinen Koffern und dem wichtigen Laptop verschwinden würde. Schlussendlich fand ich doch noch ein Taxi, das einen einigermassen vernünftigen Preis verlangte.
Mit 2 Millionen Menschen ist Kigali bei weitem die grösste Stadt im Land. Der Unterschied zu Uganda’s Hauptstadt Kampala könnte nicht grösser sein. Kigali ist sauber und im Zentrum auch in der Nacht sicher. Es gibt keine informellen Geschäfte am Strassenrand und der Verkehr läuft gesittet ab. Kigali entwickelte sich rasant. Als Ruanda 1962 unabhängig wurde, lebten weniger als 25’000 Menschen in der Stadt und es gab nur fünf asphaltierte Strassen.
Kongresszentrum
Eines der Wahrzeichen von Kigali ist das Kongresszentrum, das ich auf einem nächtlichen Spaziergang besuchte.

Anti-Korruptions-Denkmal
Im Park des Zentrums steht das Anti-Korruptions-Denkmal des irakischen Künstlers Ahmed Albahrani. Es wurde von Qatar finanziert. Die 12 Meter hohe offene Hand soll Transparenz signalisieren.

Die Weihnachtsbeleuchtung des Radisson Blu Hotels, das Teil des Kongress-Zentrums ist

Gedenkstätte für den Völkermord in Kigali
Leider kann ich von der Gedenkstätte keine Fotos zeigen, da fotografieren verboten war. Das einschneidendste Ereignis der Geschichte Ruandas ist der Völkermord von Hutu-Milizen gegen Tutsi-Angehörige und moderate Hutus vom 7. April bis 19. Juli 1994, bei dem mehr als eine halbe Million Menschen getötet und Hunderttausende Frauen vergewaltigt wurden. Das Töten endete erst, nachdem die Ruandische Patriotische Front (RPF), eine überwiegend aus Tutsi bestehende Rebellengruppe, das Land erobern und die Hutu-Regierung stürzen konnte. Besonders eindrücklich waren für mich Aussagen von Überlebenden, die erzählten, wie Hutus ihre Tutsi-Nachbarn, mit denen sie Monate zuvor zusammen noch Kindergeburtstage feierten, nun vergewaltigten, ermordeten und ihren Besitz stahlen. Es zeigt sich einmal mehr, dass normale Menschen unter der entsprechenden Propaganda zu Monster werden können.
Niyo Kunst-Zentrum
Hier arbeiten 17 Künstler aus ganz Afrika und stellen ihre Werke in der integrierten Galerie auch gleich aus. Wunderbar kreativ!



Ich wollte nicht abreisen, ohne die Gourmet-Szene von Kigali kennen zu lernen und entschied mich für das Nyurah.
Nyurah
Mein Besuch in diesem Gourmet Restaurant habe ich unter diesem Link beschrieben.
Am selben Abend flog ich weiter nach Senegal.
In 10 Tagen konnte ich alle Sehenswürdigkeiten in diesem kleinen Land besuchen. Ruanda bietet viele tolle Erlebnisse mit freundlichen Menschen und abwechslungsreichen Landschaften.