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Königreich Lesotho

April 2026

Von den Drakensberge in Südafrika ist es nicht weit nach Lesotho. Das Königreich Lesotho ist ein vollkommen von Südafrika umgebenes Land in den Maloti Bergen, das früher Basutoland hiess. Es konnte unabhängig bleiben, weil König Moshoeshoe I sich mit den Briten verbündete und das Land 1868 ein britisches Protektorat und später eine Kronkolonie wurde. 1966 wurde es von Grossbritannien unabhängig.

Das Land hat einen Weltrekord, denn es ist das Land mit dem höchsten Tiefstpunkt aller Länder, der auf 1400 Meter über Meer liegt. Das ganze Land liegt also über 1400 Meter.

Während es am Tag angenehm warm war, wurde es in der Nacht bitter kalt. Zum Glück waren fast alle Unterkünfte mit mir bis jetzt unbekannten elektrischen Wärmedecken ausgestattet, die auf der Matratze lagen und in drei Stufen die ganze Nacht wärmten. Eine tolle Sache!

Da das Land bergig und zerklüftet ist, war ich jeweils mehrere Stunden auf schlechten Strassen unterwegs, um von einem Tal in das nächste zu gelangen.

Caledonspoort Grenzübergang

Der Grenzübertritt von Südafrika nach Lesotho verlief problemlos. Ich war der Einzige. Natürlich wurde der Pass gestempelt, aber weder die Autopapiere noch das Gepäck wurden kontrolliert.

Gleich nach der Grenze konnte ich in einer Wellblechhütte eine SIM-Karte kaufen, was perfekt war, denn Roaming ist in Lesotho sehr teuer. Von der Grenze war ich in etwa einer Stunde in meiner einfachen Unterkunft. Dusche und WC waren in der Nähe in einem kleinen Haus, aber ich bekam einen Kübel, in den ich in der Nacht Wasser lassen konnte und so nicht in die kalte Nacht hinaus musste.

Gegend um die Liphofung Höhle

Ich kam in diese Gegend, um am nächsten Tag die Liphofung Höhle zu besichtigen. Am Ankunftstag erhielt ich einen Rundgang durch das Dorf Ma Molapo.

Die traditionellen Häuser sind alle rund und haben Strohdächer.

Landschaften

St. Peters High School

Dieses Zimmer war das einzige mit Bildschirmen. Andere Schulzimmer sahen weniger lernfreundlich aus.

Als nächstes besuchten wir das Gesundheitszentrum, wo neben der Geburtsvorsorge vor allem das Testen und Behandeln von HIV im Vordergrund steht.

Besuch bei einer Sorghum-Bier-Brauerin

Dieses Bier aus Sorghum-Malz (Mabele), Maismehl (Poone) und Wasser wird überall im Hochland mit einfachen Apparaturen gebraut und schmeckt säuerlich-rauchig mit einem Alkoholgehalt von 3-5%. Rechts ist die Brauerin, links zwei Kunden, die wohl schon ein paar Drinks zu viel hatten.

Als nächstes kamen wir zu einem Haus einer Seherin, aber ich verzichtete mangels Aberglauben auf die Vorhersage. Nun bereue ich es, denn die Aussagen wären sicher interessant gewesen.

Ein Maisfeld mit bunten Blumen

Eigentlich wollte ich am nächsten Tag die rund 8 km zur Liphofung Höhle wandern, doch es regnete den ganzen Tag. So blieb ich in der Unterkunft und arbeitete am Computer.

Am nächsten Morgen war der Himmel wieder blau, so dass ich vor der Fahrt zu meiner nächsten Destination mit dem Auto zur Höhle fuhr.

Liphofung Höhle

Die Höhle ist mehr ein Unterstand in einer kleinen Schlucht, die der Hololo-Fluss geschaffen hat. Neben den Petroglyphen gefiel mir die Atmosphäre mit den Pflanzen und dem Wasserfall.

Wie in den Drakenberge waren auch hier die Ureinwohner des San-Volkes künstlerisch tätig. Allerdings waren die Felszeichnungen hier verblichen und nicht in einem so guten Zustand wie jene beim Thendele Camp.

Auf dem Weg zu meiner nächsten Destination

Die 70 km Fahrt in das nächste Bergtal dauerte rund 2 Stunden.

Gegend um die Maliba Lodge

Am Nachmittag des Ankunftstags ging ich gleich auf eine Rundwanderung, die die Rezeption mir empfahl. Nach der Hälfte konnte ich jedoch nicht weiter zu den drei Wasserfällen, denn wegen vorangegangenem Regen war der Fluss so hoch, dass ich ihn nicht überqueren konnte. Beim Rückweg war der Weg nicht mehr unterhalten und endete im dichten Gestrüpp, so dass ich umkehren und denselben Weg wieder zurück gehen musste.

Am nächsten Tag war das Wetter schlecht. Zudem waren keine anderen Wanderungen möglich, so dass ich in der Unterkunft blieb. Immerhin war das Essen gut und das Internet dank Starlink schnell. Für mich war dies die am wenigsten attraktive Gegend Lesothos.

Mafika Lisiu Pass

Umso mehr begeisterte mich die 170 km lange Fahrt zum Katse Damm, die über den Mafika Lisiu Pass führte.

Blick vom 3091 Meter hohen Pass auf die Passstrasse

Katse-Damm und See

Auf der anderen Seite des Passes kam ich ins Tal des aufgestauten Malibamatšo Flusses.

Der Damm ist ein Gemeinschaftsprojekt von Lesotho und Südafrika und ist Teil eines Wassersystems, das schlussendlich fünf Dämme und Stollen umfassen soll. Lesotho kann Energie gewinnen und der Grossraum Johannesburg in Südafrika profitiert vom dorthin umgeleiteten Wasser. Mit einer Höhe von 185 Meter ist er der zweitgrösste Damm in Afrika.

Wie überall in Lesotho gab es fast keine Touristen. Ich war der Einzige auf der Tour ins Innere der Mauer. Dort waren keine Fotos erlaubt.

Ein Schaf mit den typischen geschwungenen Hörnern in der Nähe des Damms

Im nahen Dorf finden sich die roten Wellblech-Verkaufsstände der lokalen Mobiltelefongesellschaft.

Bokong Nature Reserve

26 km vom Staudamm entfernt befindet sich dieses Naturschutzgebiet, das den Lepaqoa-Wasserfall und das dazugehörige Tal umfasst. Vom Besucherzentrum wanderte ich in 30 Minuten zum Wasserfall mit Aussichten auf das steil abfallende Tal.

Lepaqoa-Wasserfall

Jugendliche im nahe gelegenen Dorf Lejone, wo ich übernachtete

Die Siedlung auf dem Bild bei Lejone war ursprünglich das Dorf für die Bauarbeiter des Damms und wurde nun zur Motebong Lodge.

Ha Kome Höhlen

In rund 3 Stunden und 150 km erreichte ich diese Höhlen, die mich enttäuschten. Die Strasse war auf den letzten Kilometern so schlecht, dass ich nur im Schritttempo fahren konnte und schlussendlich das Auto ganz abstellte und zu Fuss weiter ging.

Diese Höhlen dienten im späten 18. Jahrhundert als Versteck vor Feinden. Der Name leitet sich von der Familie Kome ab, die die Höhlen als erste bewohnte.

Es gab ein paar Felsmalereien, die aber kaum sichtbar waren.

Die Gegend um die Höhlen

Semonkong und der Maletsunyane Wasserfall

Von meiner Unterkunft im Dorf Teyateyaneng war ich mehr als drei Stunden unterwegs, um die 150 km ins nächste abgelegene Bergtal mit der Ortschaft Semonkong zurück zu legen.

Semonkong

Semonkong sah im regnerischen Wetter trostlos aus.

Der baufällige Tower und die ungepflegte Graspiste des Semonkong Flughafen. Hier gab es wohl schon länger keine Flugbewegungen mehr.

Ich wohnte in der schönen Semonkong Lodge, wo diese Spiral Aloe mit ihrem geometrischen Muster wächst. Sie ist die Nationalblume von Lesotho.

Auch hier war die Strasse so holprig, dass ich nur sehr langsam zur Lodge fahren konnte. Zudem gab es zwischen 22 Uhr und 8 Uhr keinen Strom und daher auch keine Heizdecken. Dafür wurde abends in einem offenen Kamin im Zimmer ein Feuer entfacht.

Maletsunyane Wasserfall

Ich kam in diese verlassene Gegend, um den Maletsunyane Wasserfall zu bewundern. In rund einer Stunde wanderte ich durch sumpfiges Gelände zum Wasserfall.

Das Pferd ist hier das beste Verkehrsmittel, denn Strassen gibt es kaum und wenn, sind sie in sehr schlechtem Zustand. Der vordere Reiter trägt einen traditionellen kunstfertigen Basotho-Hut.

Der Maletsunyane Wasserfall in seiner vollen Pracht! Auch hier bestaunten bloss eine Handvoll Touristen den 192 Meter hohen Wasserfall, den höchsten ununterbrochenen Wasserfall im südlichen Afrika. Er war der Höhepunkt meiner Lesothoreise!

Boala-Thapo Aussichtspunkt

Von der anderen Talseite ist ein weiterer Wasserfall sichtbar.

In 2.5 Stunden fuhr ich zurück Richtung Tal.

Kaum hielt ich mit dem Auto am Strassenrand an, kamen schon Kinder herbeigerannt und freuten sich, auf einem Foto verewigt zu werden.

Ich quartierte mich in einer abgelegenen Lodge ein, wo ich der einzige Gast war. Ihr Vorteil war die Nähe zum Ausgangspunkt der Wanderung zu einem Wasserfall, die ich nachmittags in Angriff nahm.

Wanderung zum Qiloane Wasserfall

Sie führte in 1.5 Stunden durch eindrückliche Landschaften.

Diese Leute leben abgeschieden ohne Strom, fliessendes Wasser und Internet.

Der imposante Wasserfall

Nach dieser beeindruckenden Begegnung ging es wieder 1.5 Stunden zurück zum Ausgangspunkt.

Eine tolle Wanderung!

Sani Wines Lesotho

Auf meinem Weg zur Hauptstadt Maseru sah ich am Wegrand das Schild eines Weinguts, dem einzigen in Lesotho. Ich wusste nicht, dass auch im hoch gelegenen Lesotho Wein produziert wird. Zum Glück war der Winzer vor Ort und zeigte mir die Örtlichkeiten.

Es ist ein kleines Weingut mit einer gegenwärtigen Jahresproduktion von 6800 Flaschen, das im Nebenerwerb betrieben wird. Die Besitzer möchten weiter wachsen und experimentieren mit weiteren Rebsorten. Auf 1800 Meter ist das Klima kühl. Entsprechend ist die Kellerei stark mit Pilzkrankheiten konfrontiert.

Kananelo Thamae, einer der Besitzer, der in Südafrika Kenntnisse über die Weinproduktion gewonnen hatte

Das Weingut hat zwei Weine im Sortiment: Ein Chenin-Blanc Weisswein, der mich nicht überzeugte, und ein Pinotage, der mir gut schmeckte. Wie schon die Kellerei ‚Spioenkop‘ im Elgin-Weingebiet gezeigt hat, können auch in kühleren Gebieten hervorragende Pinotage-Weine erzeugt werden. Trotzdem war ich überrascht, dass sich sogar in viel kälteren Gegenden wie in Lesotho der Pinotage so gut hält.

Maseru

Die letzten Tage in Lesotho verbrachte ich in der Hauptstadt Maseru. Die auf 1600 Meter liegende Stadt hat über 300’000 Einwohner. Trotzdem fühlt sie sich wie ein grosses Dorf an, denn hohe Gebäude gibt es nicht und die Stadt erstreckt sich über eine grosse Fläche. Sehenswürdigkeiten gibt es keine. Interessant war ein Haus in der Form eines Basotho Hutes, in dem überteuerte Souvenirs aus Lesotho verkauft wurden. Am sehenswertesten waren die beiden Einkaufscenter ‚Pioneer Mall‘ und ‚Maseru Mall‘, die sich ebenfalls im Hochpreissegment positionierten.

Aussicht von der ‚Maseru Mall‘ auf einen Hügel in der Stadt.

Nach zwei Wochen in Lesotho verliess ich das Land über den nur wenige Kilometer von Maseru entfernten Grenzübergang ‚Maseru Bridge‘. Hier erlebte ich eine Überraschung, denn ich ging davon aus, dass ich bei der Einreise nach Südafrika wieder eine Aufenthaltserlaubnis von 90 Tage erhalten würde. Die Grenzbeamtin machte mir aber klar, dass sie mir bei der Einreise über Land aus Lesotho nur 7 Tage geben könne. Das hatte ich nirgends gelesen. Aber ich hatte Glück, denn mein Plan war sowieso, genau am 7. Tag aus Südafrika auszureisen.

Auf der Rückreise verbrachte ich eine Nacht im heruntergekommenen südafrikanischen Städtchen Harrismith und fuhr dann die rund 300 km zurück nach Durban, wo ich den Mietwagen zurückgab.

Nach ein paar Tagen in Durban flog ich via Johannesburg zur Insel Nosy Be in Madagaskar.

Lesotho hat nur ein paar Sehenswürdigkeiten und vor allem nachts war es kalt, aber die freundlichen Leute und die Landschaften mit ihren Dörfern aus Rundhäusern machen Lesotho besuchenswert.